Dienstag, 2. September 2014

[Alien Fighter] Kapitel 26: Zerstörerische Macht


Die Kids kämpften eine ausweglose Schlacht. Je mehr Schattenwesen sie vernichteten, desto mehr tauchten wieder auf. Jenny brachte sich hinter dem Treppenhaus in Sicherheit. Heildies blieb an ihrer Seite.
Tränen der Angst und der Verzweiflung liefen ihr die Wangen herunter. Sie schluchzte und stöhnte und konnte sich kaum noch einkriegen. Heildies ging es fast genauso. Er wusste nicht, wie er den Alien-kindern noch helfen sollte. Er hatte keine Gegenstrategie und das machte ihn vollkommen fertig. Er fühlte sich so nutzlos, weil er nichts mehr tun konnte, außer zuzusehen, wie die Kinder ihre Kräfte verbrauchten und bald zu schwach sein würden, um weiter zu kämpfen. Und dann würde der Dunkle Welche sie mit seinem mächtigen Amulett vernichten, so wie er seine eigenen Untergebenen und Lucius zur Asche zerfallen ließ.
Plötzlich ging dem kleinen fliegenden Außerirdischen ein Licht auf.
„Jenny! Jenny!“, versuchte er das Menschenmädchen zur Besinnung zu bringen. „Beruhige dich bitte und höre mir zu!“
Das Mädchen seufzte noch einmal tief, kramte ein Taschentuch aus ihrer Hosentasche, schnäuzte sich die Nase und trocknete sich damit auch noch die Tränen ab. Dann schaute sie das kleine Heilmed an und dachte, eine Spur von Hoffnung in seinem Blick wahrzunehmen.

„Was ist los, Heildies?“
„Ich habe mich gerade gefragt, warum er Beelze und die anderen nicht gleich vernichtet. Warum spielt er noch mit ihnen?“
„Weil er ein sadistisches Schwein ist“, antwortete Jenny niedergeschlagen.
„Vielleicht“, entgegnete Heildies, „aber vielleicht ist es auch anders. Lektra, Soll Datt, die anderen bösen Schergen und Lucius vernichtete er mit seinem Amulett. Aber dies tat er, als sie alle sehr geschwächt waren.“
„Ja und?“
„Als er uns mit dem Energiestrahl seines Amuletts angegriffen hatte, wurden wir weggeschleudert und nur verletzt. Zu Asche sind wir nicht gleich zerfallen.“
„Anscheinend muss er uns auch zunächst schwächen und dafür hat er seine Schattenkrieger.“
„Aber mit ihnen hätte er uns auch viel schneller schwächen können. Stattdessen kämpfen unsere Freunde immer weiter und weiter.“
„Worauf willst du hinaus, Heildies?“, wollte Jenny endlich wissen.
„Ich denke, unsere Freunde können gar nicht durch die Schattenwesen verletzt werden. Die Schmerzen und Wunden sind auch nur Trugbilder von ihm. Stattdessen will er sie schwächen, indem er sie kämpfen lässt, bis ihnen die Puste ausgeht.“
„Wie bitte?“ Jenny war verwundert und verwirrt. In ihrem Kopf rumorte es. Angestrengt dachte sie über die Worte des kleinen, fliegenden Wesens nach. Wenn es Recht hatte, mussten Beelze und die anderen einfach aufhören zu kämpfen.
Jenny zögerte nicht weiter und rannte schnell um das kleine Treppenhäuschen herum. Ihre Freunde waren noch immer am Kämpfen. Schnurstracks rannte sie auf Tri-clops zu. Auf dem Weg griffen Schattenwesen sie an und schlugen auf sie ein. Jetzt spürte sie selber die Schmerzen, die auf sie einprasselten. Trotzdem versuchte sie sich vorzustellen, dass dies nur Täuschungen waren. Sie kämpfte sich bis zum blauen Alienjungen durch, schnappte seinen Arm und zog ihn mit sich. Erst verstand Triclops nicht, doch dann folgte er seiner Klassenkameradin zurück zu Heildies. Zum Glück folgten ihnen keine weiteren Schattenwesen.
„Was wollt ihr“, fragte Triclops leicht sauer, weil er vom Kampf weggezerrt wurde.
„Zeig mir deine Arme, Triclops!“, befahl Heildies mit fester Stimme, die keine Widerworte zuließen. Er streckte dem kleinen Wesen seine Arme entgegen, die mit fiesen Schrammen überzogen waren. Heildies setzte seine heilenden Kräfte ein, doch die Schrammen verschwanden nicht.
„Was bedeutet das?“, wunderte sich Triclops.
„Schau genauer hin“, riet ihm jetzt Jenny. „Nutze dein drittes Auge dafür.“
Der blaue Außerirdische konzentrierte sich und setzte den Blick seines dritten Auges ein. Schlagartig stieg ein verwirrter Unglaube in seinen Blick.
„A-aber…“, stotterte er, „d-da s-sind in Wirklichkeit gar keiner Verletzungen. Mein Körper ist vollkommen heile.“
„Genau“, stimmte Heildies zu. „Die Schmerzen und Verletzungen, die die Schattenwesen euch zufügen sind genauso Trugbilder wie die Schatten selbst. Das ist der Trick des Dunklen Welchen. Damit hat er ganze Galaxien getäuscht.“
Das darf doch nicht wahr sein!

Jenny, Heildies und Triclops rannten schnell wieder zu ihren Freunden. Triclops klärte Beelze und Ilusio über ihre neusten Erkenntnisse auf, während Heildies mit Pix und Jenny mit Audia und Empat sprach. Alle stellten sofort den Kampf ein, was Ylos verwunderte.
„Was ist geschehen?“, hakte er misstrauisch nach.
„Wir haben dich durschaut, Ylos“, schrie Ilusio.
„Du kannst uns nicht mehr mit deinen Trugbildern täuschen“, ergänzte Beelze.
„Deine Puppen können uns gerne weiterhin angreifen und du kannst uns Schmerzen in die Köpfe projizieren“, fuhr Triclops fort. „Aber wir wissen jetzt, dass wir sie uns in Wirklichkeit nur einbilden und sie uns im Endeffekt keinen Schaden zufügen werden.“
Ylos riss seine rot glühenden Augen entsetzt auf. Er hätte nie damit gerechnet, dass sein Trick irgendwann auffliegen könnte. Im Alleingang hatte er so schon ganze Galaxien an sich reißen können und er brauchte nur wenig „echte“ Unterstützung wie Elimina und Xaos, die er sich wohl bedacht aussuchte. Jedoch war er jetzt aufgeflogen.
Aber er fing sich sofort wieder. Seine Schattenwesen verschwanden mit einem Mal wieder und er stand allein seinen jungen Gegnern gegenüber.
„Ihr seid gar nicht mal so dumm, wie ich gedacht habe. Doch das ändert rein gar nichts. Euch zermalme ich noch immer mit meinem Amulett. Und die Menschen auf diesem blauen Planeten werden keinen Unterschied zwischen geschwindelten und wahren Schmerzen erkennen.“
Bevor auch nur eines der Teenager etwas dagegen sagen konnte, schleuderte er einen gewaltigen Energiestrahl auf sie. Es gab erneut eine große Explosion und alle Kids lagen, nun wirklich, verletzt auf dem Boden. Sie stöhnten vor Schmerz und versuchten sich aufzurichten, doch Ylos attackierte sie ein weiteres Mal.
Beelze und die anderen schrieen laut auf. Sie waren komplett erschöpft und schafften es nicht mehr, sich zu wehren. Nur Beelze versuchte es und feuerte eine Flammenkugel auf den Dunklen Welchen ab. Für ihn war es aber ein leichtes, dieser Kugel auszuweichen, indem er lediglich seinen Kopf ein wenig zur Seite neigte.
„Lächerlich!“ Und ein weiterer Energiestrahl traf die Kids.
Im wahrsten Sinne des Wortes sahen die sieben Jugendlichen ihr Leben an ihrem inneren Auge vorbeiziehen. Sie erwarteten jeden Augenblick das Ende und keiner hatte mehr die wirkliche Kraft, sich zu wehren. Beelze nutzte seine allerletzten Kraftreserven, um zu Jenny zu kriechen, damit er sie ein letztes Mal in die Arme schließen konnte. Er sah ihr tief in die feuchten Augen und ihm selbst kullerten sogar die Tränen hinunter.
„Ich hätte alles dafür gegeben“, keuchte er, „eine schöne Zukunft mit dir verbringen zu dürfen.“
Jennys Herz überschlug sich, als sie diese Worte hörte. Sie konnte es kaum fassen. Nichts mehr hätte sie sich in diesem Augenblick gewünscht. Eine große Verzweiflung und Panik ergriff sie. Sie schloss die Augen und schrie laut los.
Der Schrei hallte durch die Luft und übertönte alles. Abrupt leuchtete etwas in der Robe des Dunklen Welchen auf. Etwas wurde warm in seiner Brust, aber es war nicht sein Herz, das durch diese Szene erwärmt wurde, sondern das Artefakt, das sich in seiner Innentasche aufhielt. Sein Mantel öffnete sich und der sternförmige Kristall kam hervor. Der bunte Schimmer leuchtete heller denn je. Verwirrt riss Ylos die Augen auf und wollte nach dem Kristall greifen. Doch bevor er es in die Hände bekommen hatte, flog es blitzartig zu Jenny.
Überrascht blickten alle auf das hübsche Mädchen, die nun das Artefakt in den Händen hielt. Heildies war der erste, der das ganze in Worte fassen konnte:
„Der Kristall reagiert auf sie!“
Ein grelles Licht umhüllte sie und auch die anderen außerirdischen Jugendlichen fingen an zu leuchten. Schlagartig waren alle Schrammen und Wunden der Kinder verschwunden und sie fühlten sich großartig. Sie erhoben sich vom Boden und liefen auf Jenny zu. Beelze war der erste, der sich zu Jenny stellte und seine Hand auf den Kristall legte. Dann taten es ihm Audia, Tri-clops, Pix, Empat und sogar Ilusio nach. Alle standen sie nun im Kreis da und hatten ihre Hände auf dem leuchtenden Sternenkristall.
„Nein, das ist nicht möglich“, rief Ylos panisch.
Jennys Augen funkelten den außerirdischen Eroberer mehrerer Galaxien böse an. Die sieben Kids streckten das Artefakt in die Luft und ein heller Schein breitete sich von ihm aus.
Starr vor Schreck schrie der Dunkle Welche los. Schließlich wurde er von dem starken Licht eingehüllt. Nach einigen Sekunden verstummte schließlich sein Wehklagen und das Licht des Kristalls hörte auf zu glühen.
Als sich die Teenager wieder aus ihrer Formation lösten, blickten sie um sich und bemerkten schnell, dass Ylos mit dem Licht verschwunden war.
Dies war sein Ende.

„Ihr habt es geschafft“, freute sich Heildies lautstark und umschwirrte seine Schützlinge wie eine kleine, flinke Biene.
„Ich kann es kaum glauben“, jubelte Pix.
„Die Welt ist gerettet“, sprach Empat erleichtert aus.
„Das Artefakt wurde dank Jenny ausgelöst“, stellte Audia fest. „Sie ist es, die das Universum von diesem Schergen befreit hat.“
Jenny errötete bei dieser Aussage.
„Das ist nicht ganz richtig. Wir haben es zusammen geschafft.“
Nach einigen Minuten der Freude, in denen die Teenager alle auf dem Dach des Hotels herumgehüpft und getanzt hatten, bemerkten sie, dass Ilusio ein wenig abseits allein und mit trauriger Miene dastand. Es war Beelze, der auf ihn zuging.
„Es tut mir leid wegen deinem Vater“, sprach er zu dem vermummten Alien. Ungläubig schaute er den Jungen vom Planeten Capra an und entgegnete:
„Wie bitte? Du entschuldigst dich bei mir? Ich bin derjenige, der sich entschuldigen muss. Ihr hattet mit mir große Probleme. Ich wollte euch vernichten und beinahe wäret ihr durch meine Schuld auch umgekommen.“
„Vergeben und vergessen?“, schlug Beelze vor.
„Was? Wie kannst du mir vergeben? An dem Tod deines leiblichen Vaters bin ich doch auch indirekt Schuld.“
„Nein, daran ist einzig und allein Ylos Schuld. Und du als sein Sohn hast nur seine Befehle befolgt. Jeder Junge strebt nach Anerkennung von seinem Vater.“
Ilusio konnte nicht glauben, was er da vernahm. Er fragte sich in dem Augenblick, ob alle, die auf der Erde aufgewachsen waren, so ein großes Herz hatten. Er war überwältigt von der Güte und der Großzügigkeit. Mit Tränen in den Augen umarmte er Beelze.
Nun kamen auch die anderen auf Ilusio zu und klopften ihm auf die Schulter.
„Im Endeffekt hast du uns geholfen und das ist, was zählt“, schloss Beelze ab und reichte seinem neuen Kameraden die Hand.

Als die Sonne wieder aufging, erklärte Ilusio, dass er das Raumschiff seines Vaters und sein eigenes aus der Galaxie fliegen würde. Die Menschen könnten sonst immer noch denken, dass sie in Gefahr schwebten. Er würde auch eine sehr lange Reise unternehmen, um den eroberten Planeten seines Vaters die Freiheit zurück zu geben. Zunächst bot er an, dass er die Alienkids mitnehmen würde, falls sie auf ihre Heimatplaneten zurückkehren wollten.
„Ich bin überzeugt, dass wir hierher gehören“, antwortete Beelze auf das Angebot und sah dabei Jenny verliebt in die Augen.
„Wir sind hier aufgewachsen und haben hier auch unsere menschlichen Familien“, ergänzte Pix.
„Hier können wir ab jetzt weiterhin ein normales Leben führen“, sprach Empat.
Ilusio nickte und senkte wehmütig den Blick, als er sagte:
„Ich wünschte, ich hätte auch so eine Heimat wie ihr. Ich habe niemanden mehr, zu dem ich zurückkehren könnte. Überall würden sie mich als den Feind, den Sohn des Eroberers betrachten. Darum beneide ich euch so.“
„Aber warum kehrst du dann nicht wieder hierher zurück“, schlug Pix vor. „Du kannst doch bei uns leben. Hier würde dich niemand verurteilen.“
Der ehemals böse Außerirdische lächelte bei dem Gedanken und nahm sich fest vor, dies auch so zu machen. Er verabschiedete sich schließlich fürs Erste und verschwand in dem riesigen Raumschiff.
Ein paar Minuten später war das Flugobjekt vom Himmel verschwunden. Die Kids waren überglücklich und zufrieden. Auch Beelze freute sich, auch wenn er noch immer ein wenig traurig über den Verlust seines leiblichen Vaters war. Doch im Innern war er dafür dankbar, ihn wenigstens kennengelernt haben zu dürfen.
„Und wisst ihr was?“, fragte Heildies seine Schützlinge freudestrahlend. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass der letzte der sieben Weisen, die das Artefakt erschaffen hatten, ein Mensch von der Erde war.“
Verblüfft blickten die Teenager das kleine fliegende Wesen an.
„Fragt mich jetzt nicht, wie der Erdenbewohner damals in die Winkelgalaxie gekommen war! Das weiß ich nicht. Aber ich weiß dank Jennys Einsatz heute Nacht, dass es so gewesen sein muss.“
Zustimmend nickten sie dem kleinen Heilmed zu.

Mittlerweile war ein ganzes Jahr vergangen, seitdem der Dunkle Welche auf der Erde erschienen war und die sieben Teenager gegen ihn gekämpft hatten. Seitdem konnten sie ihr Leben wie gewohnt weiter führen.
Ilusio kehrte tatsächlich irgendwann zur Erde zurück. Er änderte sein Aussehen in einen Jugendlichen mit dunkler Hautfarbe. Er nannte sich nun Timo und gab vor, aus Afrika zu stammen. In einem Waisenhaus fand er eine Unterkunft und an vielen Nachmittagen traf er sich mit seinen neuen Freunden.
Ebenfalls war Claude nun endlich mit den anderen befreundet. Er war nicht mehr der Außenseiter. Da er seine Kräfte genau wie de anderen immer mehr unter Kontrolle hatte und vor allem weil ihn keine Horrorvisionen mehr plagten, konnte er sich sehr gut integrieren.
Beide führten ein tolles Leben in Freundschaft mit Chiara, Patrick, Mei, Jenny und Damon.
Besonders letzteren beiden genossen ihre gemeinsame Zeit. Sie waren schließlich das Traumpaar der Schule geworden und glücklich miteinander.
Was diese Kids miteinander verband, war viel mehr als ihre außerirdische Herkunft. „Menschlich“ waren sie auf einer Wellenlänge. Heildies war sehr stolz auf sie und wich ihnen nie mehr von der Seite. Es hauste weiterhin bei Damon im Zimmer, wo es sich sehr wohl fühlte. Täglich quatschten die beiden abends vor dem Schlafengehen von dem vergangenen Tag. Ihnen wurde es nie langweilig.
Allesamt genossen sie die Ruhe und den Frieden und hofften natürlich darauf, dass die Erde nie wieder in einer solchen Gefahr schweben würde.

ENDE

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