Dienstag, 12. August 2014

[Alien Fighter] Kapitel 23: Wundervoller Abend


Ein riesiger Schatten zog sich über die Stadt. Alles wurde schlagartig dunkel. Am Himmel tauchte ein gigantisches Gebilde auf, welches nicht richtig zu erkennen war. Menschen kreischten und versuchten, sich hektisch in ihre Häuser zu retten. Der Geruch von Angst und Panik lag in der Luft. Dies war der Anfang vom Ende, der Beginn des Untergangs der Erde.
Schlagartig wurde es still. Aber nur eine Millisekunde, bis die Erde aufriss und Häuser in sich zusammenfielen. Autos fielen in den Abgrund und die Stadt lag in kürzester Zeit in Trümmern. Und diese Stadt war nur der Anfang. Bald würde der ganze Planet so aussehen. Alles würde zerstört werden. Alles würde dem Erdboden gleich gemacht werden.
Ein heller Lichtstrahl richtete sich auf den Boden und eine schwarze Gestalt schien von dem Gebilde herunter zu fahren. Ihr Gesicht war von einem schwarzen Schleier verhüllt. Nur rot stechende Augen blickten aus dem Schatten hervor. Diese Augen waren die Augen des Bösen. Der Blick verriet pure Zerstörungskraft. Dies war der Dunkle Welche, der gekommen war, um dem ganzen Kampf ein Ende zu bereiten und die Macht über den Planeten an sich zu reißen. So, wie er es schon mit vielen anderen Planeten und vielen anderen Galaxien im ganzen Universum getan hatte.

Plötzlich saß Claude aufrecht in seinem Bett. Schweißgebadet und mit rasendem Herz hielt er sich die Hand an die Stirn.
Es war nur ein Traum, dachte er für einen kurzen Augenblick. Doch da stieg in ihm die Gewissheit auf, dass es kein Traum war. Er hatte eine erneute Vision von der Zukunft gehabt. Was er gesehen hatte, würde wirklich passieren. Sehr bald. In nicht einmal 24 Stunden, das wusste er.

„Gerade erhielten wir wieder eine Nachricht vom Dunklen Welchen“, berichtete Soll Datt seinem Meister.
„Von meinem Vater?“
„Richtig. Diesmal ist es eine schriftliche Nachricht. Eine kurze Notiz“, ergänzte der blaue Ritter.
Ilusio schnappte sich den Zettel, dem ihm sein Untergebener reichte. Er faltete ihn auseinander und las die wenigen Zeilen, die schwarz auf weiß auf dem weißen Papier abgedruckt waren:


Mein Sohn,

meine Arbeit war schneller erledigt als erwartet. In ein paar Stunden werde ich den blauen Planeten, bei dem du dich befindest, erreicht haben. Ich hoffe, alles ist für meine Ankunft vorbereitet.

Dein Vater


Als Ilusio die Nachricht seines Vaters durchlas, durchfuhr ihn ein Gefühl der Freude. Nun war der lang ersehnte Tag gekommen. Die Ankunft seines Vaters, des Dunklen Welchen, dem Eroberer hunderter von Planeten und Galaxien, stand bevor. Nun würde der Planet Erde bald zu den Besitztümern seines Vaters gehören. Ein weiterer Stern, den er irgendwann selbst beherrschen würde.
Erfreut schickte er seinen Untergebenen aus dem Raum. Er musste sich gedanklich auf das Eintreffen seines Vaters vorbereiten. Er hoffte sehr, dass sein Vater stolz auf ihn sein würde, dass er ihm gratulieren würde für seinen Erfolg. Schließlich war er es gewesen, der nach einigen Jahren das Artefakt ausfindig machen konnte. Gleichzeitig lieferte er ihm auch noch den Flüchtling aus, der damals mit fünf Alienbabys und einem Heilmed entkommen war. Nun konnte den Dunklen Welchen nichts mehr aufhalten. Die Gefahr von der Macht des Artefakts besiegt zu werden, war nun ein für allemal gebannt. Unbesiegbar war sein Vater nun und damit auch er selbst, da er der Sohn des Dunklen Welchen war.
Ilusio lachte hoch erfreut tief in sich hinein. Pure Glückseligkeit durchfuhr ihn. Er war am Ziel angekommen.

In der Schule suchte der hellblonde Claude die anderen Alienkinder auf. Glücklicherweise waren Damon, Jenny, Mei, Chiara und Patrick alle zusammen auf dem Schulhof versammelt.
Bevor er auf sie zuschritt, beobachtete er seine fünf Schulkameraden, wie sie so gemeinsam auf dem Hof standen und lachend miteinander sprachen. Besonders fiel ihm Damon auf, der seinen Arm um Jenny gelegt hatte. Ihm wurde schlagartig bewusst, dass diese fünf Jugendlichen in den letzten Wochen nicht nur zu einem Team zusammen gewachsen waren, sondern zu einer richtigen Clique, zu wahren Freunden.
Plötzlich fühlte er sich ausgeschlossen und allein. Eigentlich sollte er dieses Gefühl gewohnt sein. Dies war sein Schicksal gewesen und so lebte er sein bisheriges Leben. Doch die letzten Kämpfe gegen Ilusios Untergebene blieben nicht ohne Spuren auf ihm zurück. In gewisser Weise genoss er den Kampf mit den anderen, auch wenn er das nur schwer zugeben wollte. Endlich war er kein Aussätziger mehr, den alle ignorierten. Er gehörte zu etwas dazu, auch wenn er sich strikt dagegen wehrte.
Doch nun war er wieder allein mit seinen Vorahnungen und Visionen. Die anderen standen in einem Kreis zusammen, zu dem er nicht dazugehörte.
Für einen Moment zögerte er. Sollte er ihnen wirklich von seiner Nacht erzählen? Würde dies irgendetwas ändern? Sollte er sie nicht die letzten Stunden genießen lassen, wenn das Ende wirklich gekommen war? Sollten sie nicht den Moment auskosten und weiter auf dem Schulhof lachend stehen bleiben dürfen?
Plötzlich vernahm er den Blick von Patrick, der ihn fragend anschaute. Wie konnte es auch anders sein: Patrick hatte den inneren Konflikt und Claudes Gefühle gespürt. Sie waren anscheinend so stark, dass Patrick darauf aufmerksam wurde, obwohl der Schulhof voll besetzt war mit Schülern und Claude einige Meter von ihm entfernt stand.
Resigniert wischte der blonde Alienjunge mit dem dritten Auge sein Zögern von seinen Schultern und ging geradewegs auf die fünf Freunde zu.
Sofort hörten Damon und die anderen auf zu lachen und schauten Claude verwundert an. Mei war die erste, die ihn ansprach:
„Was ist los? Willst du etwas von uns?“
„Ich hatte heute Nacht eine Vision“, gab er mit ernster Miene zurück.
„Was für eine Vision?“, wollte Damon wissen.
„Der Weltuntergang“, betonte Claude wichtig.
„Aber das wäre nicht das erste Mal“, winkte der schwarzhaarige Junge mit einem Lächeln ab.
„Es wird heute geschehen“, gab der Junge mit den tiefblauen Augen trocken zurück.
Erschrocken starrten ihn die fünf Kids an. Sie waren sprachlos und wussten nicht, ob Claude die Wahrheit sprach.
„Heute?“, hakte Chiara mit einem Zittern in der Stimme nach.
„Heute Abend“, antwortete er.

Nach der Schule erzählten sie alles dem kleinen Heildies. Dem feenartigen Wesen blieb fast das Herz stehen. Es war zutiefst bestürzt.
„Jetzt wird es wohl ernst“, stellte Mei fest.
„Was machen wir denn nun? Wir sind doch gar nicht darauf vorbereitet“, gab Chiara zu bedenken. Heildies bemerkte ihre Verzweiflung in der Stimme. Es musste die Kids um jeden Preis beruhigen. Panik würde lediglich alles verschlimmern. Wenn sie nur die geringste Chance gegen den Dunklen Welchen haben wollten, mussten sie frei von Angst werden und sich konzentrieren können.
Mir muss etwas einfallen.
„Du sagst ja gar nichts dazu“, wunderte sich Damon über ihren kleinen Mentor.
„Ich habe nur kurz überlegt“, entgegnete Heildies. „Ich bin der Meinung, dass wir uns nicht speziell vorbereiten können.“
„Wie denn auch“, spuckte Claude verächtlich aus. „Wir haben gar keine Zeit mehr. Heute wird es passieren und wir stehen dem ganzen machtlos gegenüber.“
Jenny und Chiara gaben verzweifeltes Stöhnen von sich. Auch die anderen schienen sehr verunsichert. Besonders Patrick spürte die Angst seiner Freunde, die ihn fast in den Wahnsinn trieb. Er begann heftig zu zittern. Jenny registrierte dies und nahm den Jungen in den Arm.
„Das meinte ich nicht“, fuhr Heildies fort. „Selbst wenn wir eher von der Ankunft erfahren hätten oder er sich jetzt auch mehr Zeit lassen würde, könnten wir uns nicht speziell vorbereiten. Ich denke, wir sind gut vorbereitet.“
„Wie bitte?“, erkundigte sich Claude mit finsterer Miene. „Vorbereitet? Wir haben keine Chance gegen ihn. Ich habe gesehen, was passieren wird.“
„Was passieren könnte“, gab Heildies besserwisserisch zurück. „Ihr fünf habt eure Fähigkeiten sehr gut entwickelt und könnt gut damit umgehen. Ihr seid auch zu einem Team geworden, das sehr gut zusammen arbeiten kann. Ihr habt meiner Ansicht nach durchaus eine Chance, diesen Kampf zu gewinnen.“
„Pah“, warf Claude erneut ein, „so viele Planeten konnten ihn nicht aufhalten. Und da denkst du, dass fünf Kinder ihn besiegen werden?“ Herausfordernd schaute der Junge das kleine, fliegende Wesen an.
Heildies seufzte. Es wusste, dass Claude überzeugende Argumente nannte und höchstwahrscheinlich Recht hatte. Aber es wollte nicht, dass die Kids vollkommen in Panik geraten. Es wollte sie beruhigen.
„Aber es bringt auch nichts, kampflos aufzugeben und jetzt komplett durchzudrehen.“ Das kleine Heilmed blickte jeden einzelnen von ihnen nacheinander ernsthaft in die Augen. „Ihr müsst Ruhe bewahren, wenn ihr diesen Kampf antreten wollt und ich bin überzeugt, dass ihr euch nicht von vornherein kampflos geschlagen geben wollt. Dafür ist in der letzten Zeit zu viel geschehen.“
Damon nickte. Er war nicht der Typ, der von Anfang an aufgab. Er wollte den Kampf aufnehmen, koste es, was es wolle und daher sprach er:
„Heildies hat Recht. Wir werden gegen den Dunklen Welchen antreten und es zumindest versuchen, ihn aufzuhalten. Die Menschheit zählt auf uns. Und wenn nur die geringste Hoffnung besteht, müssen wir in den Kampf ziehen.“
Plötzlich beruhigten sich die Gemüter. Patrick hörte auf zu zittern. Trotzdem spürte er weiterhin die Unsicherheit seiner Freunde, aber eben auch ein Funken Zuversicht.
„Gut“, meldete sich nun Jenny zu Wort, „dann sollten wir den heutigen Tag noch mal so richtig genießen. Es könnte unser letzter sein.“ Sie zwinkerte ihren Freunden lächelnd zu. Auch sie wollte nun ihre Freunde bestärken. Darin sah sie ihre Aufgabe, da sie selbst keine Fähigkeiten hatte, um in den Kampf zu ziehen.
„Und was schlägst du vor, wie wir den Tag verbringen?“, wollte Mei wissen.
„Ich bin dafür, dass wir noch mal eine tolle Party steigen lassen“, schlug Jenny vor. „Wir lassen es so richtig krachen.“
Die Freunde fanden die Idee gut, selbst Claude sagte nichts dagegen. Er hatte verstanden, dass er nicht mehr der absolute Pessimist sein durfte, denn auch er wollte in den Kampf ziehen. Seit er die Visionen von der Zukunft hatte, wusste er irgendwie, dass es seine Bestimmung war, dagegen anzugehen. Und jetzt war es so weit, dass er vollsten Einsatz zeigen musste. Ab jetzt durfte er nicht mehr weglaufen und die Zeichen ignorieren. Er beschloss bei den anderen zu bleiben, wenn es losgehen sollte. Einen Alleingang wollte er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wagen.

Am späten Nachmittag versammelten sich die Freunde auf dem Dach des Hotelhochhauses von Chiaras Vater. Da das Wetter sehr mild war, beschlossen sie, es wäre die beste Location für eine kleine Party. Claude brachte Cola sowie andere Getränke mit und half Chiara, ein paar Klappstühle und Tische aufs Dach zu tragen. Jenny und Mei besorgten allerhand Leckereien wie Chips, Salzstangen, Schokoschaumküsse und Gummibärchen. Damon brachte seinen mp3-Player mit, an den er zwei große Boxen anschließen konnte. So war auch für Musik gesorgt. Für lustige Partyspiele war Patrick zuständig. Zunächst einmal war die Reise nach Jerusalem angesagt.
Die sechs Kinder feierten ausgelassen und vergaßen für einige Augenblicke, welche Gefahr auf sie zukommen würde. Sie tanzten und stopften sich mit ungesundem Süßkram voll. Sie lachten und amüsierten sich großartig. Heildies sah ihnen dabei zu und freute sich innerlich für sie, auch wenn er sich ein wenig melancholisch fühlte.
Es hatte den Krieg in der Winkelgalaxie damals mitbekommen und musste mit ansehen, wie viele Bewohner der Planeten ihr Leben lassen mussten. Nun würde die Erde vielleicht das gleiche Schicksal erleiden. Es schüttelte sich und versuchte diesen tristen Gedanken abzuwerfen. Die Hoffnung war das, woran es glauben musste. Es musste an den Sieg glauben und zuversichtlich sein, alleine schon für die Kids. Das war er ihnen schuldig.
Langsam ging die Sonne unter und die Kids begannen damit, ein paar leuchtende Lampions aufzuhängen. Ein Außenstehender hätte niemals bemerkt, welche Angst die Kids eigentlich innerlich verspürten. Dafür war die Stimmung zu ausgelassen. Jeder hätte sie für ganz normale Teenager gehalten, die hier einen schönen Abend verbrachten. Doch die Feier wurde leider irgendwann unterbrochen.

Schlagartig zog ein starker Wind auf. Die Haare der Mädchen flatterten im Wind. Ein lautes Motorengeräusch war am Himmel zu vernehmen, als würde ein gigantisches Flugzeug auf die Stadt zufliegen.
Claude war der erste, der das Raumschiff von weitem her sah. Es war wirklich riesig. Schwarz mit vielen leuchtenden Punkten.
„Jetzt geht es los“, rief Damon den anderen zu. Patrick konnte praktisch am eigenen Körper spüren, wie sich die Muskeln seiner Freunde zusammenzogen.
„Ich denke, ihr solltet eure wahre Gestalt annehmen“, schlug Heildies vor. Die Kids nickten und nacheinander verwandelten sie sich:
„Sensor, Alien Form!“, rief Patrick als erstes aus. Und schon stießen ihm seine Fühler aus dem Kopf und seine Haut nahm die bekannte grünliche Farbe an.
„Petalouda, Alien Form!“, sprach Chiara anschließend und verwandelte sich in das geflügelte Mädchen mit der rosafarbenen Haut.
„Ajna, Alien Form!“, war Claudes Ansage. Auf seiner Stirn erschien sein drittes Auge und sein ganzer Körper war sodann blassblau geworden.
„Akuo, Alien Form!“, schrie Mei laut los. Ihre Ohren wuchsen zu großen Katzenohren heran und ihre Haut war jetzt gelb.
„Capra, Alien Form!“, äußerte Damon als letzter. Aus seinem Kopf sprießen zwei spitze Hörner und seine Haut wurde rot.
Als das Raumschiff begann, über die ganze Stadt zu fliegen und sie komplett zu bedecken, waren die Kids schon verwandelt. Da sie sich noch immer auf dem Dach des Hochhauses befanden, konnten sie nur ahnen, wie die Menschen auf den Straßen soeben in Panik ausgebrochen waren. Wahrscheinlich waren sie gerade dabei, sich in ihren Häusern zu verstecken, wenn sie nicht sogar fluchtartig die Stadt verlassen wollten.
Nur Empat nahm wage die Gefühle der Menschen in dieser Stadt wahr. So intensiv waren die Emotionen der Leute. Aber er musste sie von sich streifen und sich konzentrieren. Er durfte ihnen nicht verfallen, sonst würde er selbst gleich vollkommen gelähmt sein vor Panik.
Für die Kids war der wunderschöne Abend nun vorbei und es begann im wahrsten Sinne des Wortes der Ernst des Lebens.

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