Dienstag, 15. Juli 2014

[Alien Fighter] Kapitel 19: Schlechte Lügner


In den letzten Tagen wurden Vorbereitungen für Lucius’ Flug nach Malaysia getroffen. Er beschloss nämlich, sich den Sternenkristall zurück zu holen. Doch dieser befand sich ja leider bei Ilusio in seinem Raumschiff. Also musste er einen Weg finden, zu ihm fliegen zu können. Sein altes Raumschiff, womit er vor fast 15 Jahren zur Erde kam, hatte er jedoch sehr gut in der Nähe der Good-Luck-Höhle versteckt, wo er die letzten Jahre über das Artefakt gewacht hatte. Nun wollte Lucius versuchen, sein altes Raumschiff wieder in Gang zu setzen, damit er damit zu Ilusio fliegen konnte. Deshalb stand für ihn eine Reise nach Malaysia an.
Damon war sehr traurig darüber, dass er sich nun erneut von seinem leiblichen Vater verabschieden musste. Jetzt begann er ja gerade erst, ihn kennen zu lernen. Aber Lucius versprach seinem Sohn, dass sie sich ja bald wieder sehen würden und dann noch genug Zeit bliebe, sich noch besser kennen zu lernen.
„Wir hätten dich auch begleiten können“, schlug Damon vor.
„Auf keinen Fall“, verneinte Lucius. „Ihr müsst schließlich in die Schule und ich erlaube es nicht, dass ihr den Unterricht versäumt. In der letzten Zeit wurdet ihr sowieso genug geplagt von Ilusios Angriffen. Da habt ihr bestimmt einen Teil eurer Freizeit einbüßen müssen oder noch viel schlimmer, ein Teil wichtiger Zeit, in der ihr für die Schule hättet lernen können.“

„Ach, Lucius…“, seufzte Damon. Ihm kam das Wort Vater oder Papa nicht über die Lippen. Für ihn war es ungewohnt, jemanden anderen so zu nennen neben dem Mensch, der ihn aufgezogen hatte. Lucius verstand das natürlich und deshalb einigten die beiden sich auf den Vornamen. Trotzdem hatte Damon immer wieder ein schlechtes Gewissen, wenn er seinen leiblichen Vater mit Lucius anredete.
„Zudem habt ihr euch nun eine Verschnaufpause verdient.“
„Meinen Sie nicht, dass Ilusios Leute uns noch mal angreifen?“, fragte Patrick höflich nach.
„Warum sollte er?“, mischte sich Mei ein. „Er hat doch nun das, was er wollte.“
„Das denke ich auch“, bestätigte Lucius. „Er wird euch sicherlich nun erst einmal in Ruhe lassen. Aber diese Ruhe wird kurz andauern. Meine Vermutung ist nämlich, dass Ilusio seinen Vater hierher rufen wird. Und dann ist die Erde in höchster Gefahr. Denn selbst wenn er den Kristall nicht einsetzen kann, haben wir nichts, um uns gegen ihn zur Wehr zu setzen. Deshalb muss ich unbedingt den Sternenkristall zurückholen.“
„Oje, das sieht ja gar nicht gut aus“, stammelte Chiara vor sich hin.
„Macht euch keine Sorgen. Bislang ist ja noch nichts passiert. Genießt jetzt erst mal die nächsten Tage, bis ich wieder da bin. Und nun muss ich los, denn mein Flieger geht bald.“
Zum Abschied umarmte er die Kids und wies Heildies erneut darauf hin, auf Damon und die anderen aufzupassen. Dann stieg er in ein Taxi und fuhr zum Flughafen. Beunruhigt blieben die Kinder zurück.
„Ich befürchte ja, dass wir auf keinen Fall Ruhe vor Lektra haben werden“, äußerte Mei.
„Meinst du?“, hakte Chiara nach.
„Das wäre zu schön, um wahr zu sein.“
„Leider stimme ich Mei zu“, fügte Jenny hinzu. „Wir sollten auf alles vorbereitet sein.“
„Vielleicht hatte ja Claude mal wieder eine Vision, seitdem Ilusio im Besitz des Artefakts ist“, bemerkte Damon. „Vielleicht kann er uns ja sagen, wie unsere Zukunft nun aussehen könnte.“
„Dann lasst uns zu ihm gehen“, schlug Chiara frohen Mutes vor. „Jetzt wird er uns ja auch mal Rede und Antwort stehen können, wie wir es ihm in der letzten Zeit öfter tun mussten.“
Da hatte sie ein gutes Argument hervorgebracht und daher gab es keine Einwände. Sie machten sich alle gemeinsam auf dem Weg zu Claudes Haus.

Währendessen überlegten sich Lektra und Soll Datt einen neuen Plan, wie sie die Alienkinder besiegen konnten.
„An unserer Lage hat sich ja leider durch den Kristall auch nichts geändert“, sagte Lektra. „Vorher hatten sie uns immer irgendwie in die Flucht schlagen können. Also wie können wir das nun verhindern und auch einmal die Sieger sein?“
„Das kann ich auch nicht sagen“, entgegnete Soll Datt mit seiner blechernen Stimme.
„Hast du nicht mal wieder eine neue Waffe hergezaubert, mit denen wir es schaffen könnten?“
„Der blaue Knirps“, womit er Triclops meinte, „würde die Schwachstelle sowieso jedes Mal erkennen.“
„Da hast du Recht. Und wenn wir einfach so angreifen, sind wir kräfte-, aber auch personenmäßig unterlegen.“
Beide seufzten laut und grübelten weiter hin und her. Ihr Meister war zwar dank des Artefakts etwas milder geworden, aber er würde sie sicherlich trotzdem hart bestrafen, wenn sie wieder versagen sollten.
Plötzlich kam Lektra eine Idee:
„Wir müssen die Knirpse gar nicht besiegen.“
„Wie meinst du das?“, stutzte Soll Datt.
„Wir müssen Ilusio nur glaubhaft machen, dass wir es geschafft hätten. Er wird doch nie auf die Erde gehen, um sich selbst davon zu überzeugen.“
„Und wenn der Dunkle Welche hier ist und die Erde angreift? Spätestens dann werden diese Kinder und Lucius auftauchen.“
„Lucius weiß ganz genau, dass sie keine Chance haben. Ich denke, sie werden sich eher zurückziehen. Für uns stellen sie kein Hindernis mehr da. Wir haben nichts mehr von ihnen zu befürchten, also sollten wir uns auch nicht länger um sie scheren.“
„Und was hast du vor? Wie willst du unseren Meister überzeugen, dass wir die Kinder fertig gemacht haben?“
„Wir holen uns einfach ein paar Beweisstücke von ihnen, wie ein Büschel Haare oder ein Fetzen ihrer Kleidung. Das werden wir doch wohl hinkriegen.“
„Das sollte zu schaffen sein“, gab Soll Datt zurück. Er war von dem Plan zwar nicht wirklich überzeugt, aber da er keine andere Idee hatte, würde er sich Lektra einfach anschließen. Und so machten sich beide auf den Weg zu Damon und seinen Freunden.

Bei Claude zuhause angekommen, weigerte sich der blonde Junge, sich mit seinen Schulkameraden zu befassen. Wütend trat er vor seine Haustür und blaffte Damon und die anderen an:
„Was wollt ihr hier? Ihr habt wohl noch immer nicht begriffen, dass ich kein Mitglied eures Teams bin.“
Verärgert krempelte Mei die Ärmel ihres Pullovers hoch und wollte Claude schon an den Kragen, doch Jenny hielt sie zurück.
„Du bist auch zu uns gekommen, als du nicht mehr weiter wusstest“, brachte nun Chiara hervor. „Deswegen denken wir, können wir auch mal ein paar Informationen von dir bekommen.“
„Was wollt ihr denn von mir wissen?“, hakte er mürrisch nach. Da antwortete ihm Patrick mit seiner ruhigen Art:
„Wir wollten lediglich wissen, ob du in der letzten Zeit eine bestimmte Vision hattest, die uns vielleicht weiter helfen könnte. Hat sich was an deiner Weltuntergangprophezeiung geändert?“
„Da muss ich euch leider enttäuschen. Meine Visionen wurden zwar etwas schwächer, aber es sind noch immer die gleichen Bilder. Ich denke, mein Unterbewusstsein weiß mittlerweile, dass ich es begriffen habe, dass es mit unserer Welt nicht gut aussieht. War es das jetzt?“
„Herrje, Claude“, mischte sich nun Damon wütend ein, „hör endlich auf mit deiner überheblichen Art!“
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, drehte sich der blonde Junge um, ging ins Haus und schloss die Tür hinter sich. Verdutzt und teilweise verärgert blieben die anderen zurück.
„Ich denke, wir sollten wieder gehen“, sagte Heildies schließlich und so machten sich alle gemeinsam wieder auf den Rückweg.

Und wie sollte es anders sein, tauchten mitten auf dem Heimweg Lektra und Soll Datt auf und bauten sich herausfordernd vor den Kindern auf.
„Ihr schon wieder“, bemerkte Mei säuerlich.
„Was wollt ihr von uns? Ihr habt doch das Artefakt, also lasst uns endlich in Ruhe“, fauchte Damon die beiden Aliens an.
„Wir lieben es einfach, mit euch zu kämpfen“, spottete Lektra schrill.
„Ihr lernt es wohl nie, dass ihr gegen uns absolut keine Chance habt“, entgegnete ihr Damon.
„Wenn das stimmt, dann braucht ihr euch doch keine Sorgen machen“, gab Lektra lapidar zurück.
„Leute, wir sollten uns in unsere außerirdische Gestalt verwandeln“, schlug Chiara vor. Sie trat sodann als erste hervor und rief ihren Planten an. Sofort nahm ihre Haut einen pinken Schimmer an und aus ihrem Rücken wuchsen Flügel. Die anderen Kids taten es ihr nach und alle nahmen das Aussehen der Bewohner ihres Geburtsplaneten an.
Damon wurde zu Beelze mit einer rötlichen Haut und spitzen Hörnern, die ihm aus dem Kopf ragten. Mei verwandelte sich in Audia mit einer gelblichen Haut und großen katzenhaften Ohren. Und schließlich veränderte sich auch Patrick, indem er die Gestalt von Empat mit einer grünlichen Haut und Antennen auf dem Kopf annahm. Heildies sah sich dieses Schauspiel stolz von der Seite aus an. Er freute sich, wie mutig und routiniert seine Schützlinge mittlerweile geworden waren. Er bedauerte es nur sehr, dass Claude nicht anwesend war und das Team unterstützte. So gerne hätte er alle fünf Alienkinder beieinander gewusst, vor allem, wenn es um den Kampf gegen das Böse ging.
Lektra und Soll Datt gingen in Kampfposition. Und auch die Jugendlichen bereiteten sich auf das folgende vor.
Soll Datt war der erste, der sich auf die Kids stürzte. Empat sprang erschrocken einen Schritt nach hinten, während Beelze sein Feuerzeug zückte und eine Flamme herauf beschwor, die er auf Soll Datt abfeuern wollte. Als sich dieser auf den Jungen warf, feuerte Beelze seine Feuerkugel auf das Alien mit der metallenen Rüstung ab, sodass er wieder nach hinten geworfen wurde.
Auch Lektra startete ihren Angriff und rannte auf die beiden Mädchen zu. Pix reagierte sofort, indem sie in die Luft flog. Sie wusste, dass Audia die bessere Kämpferin war. Audia machte einen Sprung auf Lektra zu und versetzte ihr direkt einen Tritt in die Magengrube, sodass Lektra taumelte.
Soll Datt rappelte sich wieder auf und lachte ein blechernes Lachen:
„Meine Rüstung schützt mich vor deinem Feuer, Knirps.“ Nach dieser Erklärung griff er erneut den Jungen an und die beiden gerieten in eine Rangelei. Schließlich nahm Empat Anlauf und warf sich auf den Rücken von Soll Datt, sodass er von hinten auf ihn einschlug, während Damon sich vorne aus Soll Datts Griff lösen konnte und schließlich auch zum Schlag ansetzte.
Pix stürzte sich derweil von oben auf Lektra und verpasste ihr im Flug einen Tritt ins Gesicht, sodass die böse Alienfrau direkt zu Boden stürzte. Audia konnte sich deshalb auf Lektra werfen und ihr so ein paar Hiebe verpassen.
Heildies beobachtete das alles mit einem stolzen Lächeln. Anscheinend hatten die fünf Alienkinder alles unter Kontrolle, sodass ihn der Kampf nicht beunruhigte. Er fing sogar an, seine Freunde anzufeuern.
Schließlich konnte Lektra doch noch Audia von sich herunter werfen. Schnell erhob sie sich wieder und holte einen ihrer kleinen Bomben hervor und warf diesen auf das Mädchen. Doch Pix kam blitzschnell von der Seite auf Audia zugeflogen und riss sie von der gefährlichen Stelle weg, an der wenige Sekunden später die Minibombe explodierte.
Auch Soll Datt konnte Empat von sich schütteln und fasste wieder festen Fuß auf dem Boden. Doch da bemerkte er irritiert, dass Beelze einen Feuerkreis um ihn herum geschaffen hatte.
„Da staunst du, nicht wahr?“, spottete der rote Alienjunge grinsend. Doch Soll Datt blieb unbeeindruckt und stolzierte durch das Feuer, als ob nichts gewesen wäre.
„Ich sagte doch, meine Rüstung ist dicht und das Feuer kann mir nichts anhaben.“
„Da wäre ich mir nicht so sicher“, erwiderte Damon siegessicher. Und da wurde es Soll Datt doch ziemlich warm. Er schaute auf sich herab und sah, dass seine Rüstung rot glühte.
„Einen Feuerball abzubekommen, der an der Rüstung in Sekundenschnelle verpufft, ist doch etwas anderes, als durch Flammen zu laufen. Dein Panzer hat sich wohl ziemlich erhitzt“, lachte Beelze nun laut los und Empat stimmte mit ein.
Und da wurde es Soll Datt mit einem Mal tierisch heiß. Er schrie laut los und rannte wehklagend davon. Als Lektra dies bemerkte, machte sie sich auch bereit, davon zu laufen, doch vorher sagte sie:
„Wir haben, was wir brauchen, denke ich“ und mit diesen Worten rannte auch sie ihrem Kollegen hinterher.
„Was war denn jetzt das?“, fragte sich Audia.
„Ich wusste, dass sie uns nicht so einfach in Ruhe lassen werden“, fügte Beelze hinzu. „So lange wir noch leben, werden sie keinen Frieden geben.“
„Ja, das scheint wirklich so zu sein“, seufzte Heildies. „Aber ihr habt euch sehr gut geschlagen. Ich bin stolz auf euch.“
Die Kinder ließen sich ihre Laune nicht verderben. Zwar würden sie weiterhin Ärger mit Ilusios Truppe haben, aber sie wussten spätestens seit heute, dass sie gemeinsam stark sind und sie zumindest Lektra und Soll Datt jederzeit in die Flucht schlagen könnten.
„Nur was meinte Lektra damit, dass sie das haben, was sie wollten?“, wollte die neugierige Audia wissen.
„Sie meinten damit bestimmt das Artefakt“, antwortete Empat.
„Da hast du bestimmt Recht“, stimmte Pix zu. „Und jetzt lasst uns endlich gehen. Es ist schon dunkel und unsere Eltern machen sich sicherlich Sorgen.“
Schließlich machten sie sich wieder auf den Heimweg.

Auf dem Raumschiff angekommen, präsentierten Lektra und Soll Datt ihrem Meister ein paar Haare und Fasern von den Klamotten der Kinder, die sie sich beim Kampf unter den Nagel reißen konnten. Damit versuchten sie ihren Sieg bei Ilusio zu beweisen.
Doch Ilusio durchschaute seine Untergebenen sofort:
„Wollt ihr mich etwa belügen? Denkt ihr, ich merke nicht, dass ihr mir hier einen Bären aufbinden wollt?“ Unsicher blickten sich die beiden Aliens an. „Ich sehe, wie dir der Schweiß von der Stirn läuft, Lektra. Sag die Wahrheit oder ich werde sehr, sehr böse.“
„Es tut mir leid“, versuchte sie sich zu entschuldigen, doch bevor sie weiter sprechen konnte, brüllte Ilusio auf sie ein und verpasste den beiden eine lang und breite Standpauke, die sich gewaschen hatte. Zum Schluss bestrafte er die beiden noch mit ein paar Elektroschocks, sodass sie sich die ganze Nacht nicht mehr bewegen konnten.
Als sich der Sohn des Dunklen Welchen nun endlich allein in dem Raum befand, griff er sich an den Kopf und dachte sich:
Alles muss man selbst in die Hand nehmen…

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