Dienstag, 17. Juni 2014

[Alien Fighter] Kapitel 16: Pfad zum Artefakt


Beelze öffnete langsam die Augen. Er war bewusstlos. Was war nur geschehen? Und wo befand er sich nun? Orientierungslos schaute er sich um. Er befand sich in einer kleinen Halle, in der die Wände aus kaltem Metall bestanden. Neben ihm lagen Audia, Pix und Empat bewusstlos auf dem Boden. Vor ihm saß Triclops bewusstlos auf einem Stuhl, welches einem Zahnarztstuhl nicht unähnlich sah. Ebenfalls bewusstlos. Der große Raum hatte nur eine Tür, die verschlossen war. Sie besaß keine Türklinke, also öffnete sie sich wohl automatisch, wie die Türen aus den Science-Fiction-Serien, die Damon kannte. Das dachte er sich jedenfalls.
Langsam richtete er sich auf, lief rüber zu seinen Freunden und versuchte, sie wachzurütteln.
„Hey Leute, steht auf!“
Auch sie öffneten nun ihre Augen und versuchten sich zu erheben, was nur sehr mühsam ging. Sie fühlten sich noch benommen. Irgendwie mussten sie bewusstlos gemacht worden sein.
Schließlich wollte Beelze auch Triclops wecken, aber als er ihm näher kam, stieß er gegen eine Glasscheibe, die er vorher nicht gesehen hatte.
„Mist“, stieß er aus, „wir sind gefangen.“
„Aber warum ist Triclops außerhalb dieser Zelle?“, fragte sich Audia.
„Triclops!“, rief Beelze, „Wach auf! Hey! Hörst du mich?“ Doch der dreiäugige Außerirdische bewegte sich nicht.
„Ich vermute, er hat eine extra Ladung abbekommen“, äußerte Chiara.
„Wovon denn?“, fragte sie Audia.
„Von dem Zeug, das uns bewusstlos gemacht hat. Vielleicht irgendein Schlafmittel oder so.“
Plötzlich öffnete sich die Tür und Ilusio, Lektra, Soll Datt und Hypnosa betraten den Raum.
„Wie ich sehe, seid ihr erwacht“, sprach Ilusio mit seiner dunklen und rauen Stimme los. „Herzlich Willkommen auf meinem Raumschiff!“
„Du musst Ilusio sein!“, entgegnete ihm Beelze verächtlich.
„Sehr schön, dass du schon von mir gehört hast“, antwortete Ilusio.
Zum ersten Mal standen sie nun dem Sohn des Dunklen Welchen gegenüber. Empat spürte, wie eingeschüchtert seine Freunde waren, was nicht verwunderlich war. Denn Ilusio wirkte bedrohlich mit seiner langen schwarzen Kutte, die sogar eine Kapuze hatte, die seinen Kopf bedeckte und hinter einem dunklen Schatten versteckte. Nur seine gelben Augen mit roten Pupillen blitzten leuchtend hervor. Doch Empat spürte auch, wie eingeschüchtert Lektra, Soll Datt und Hypnosa waren. Selbst sie hatten einen riesigen Respekt vor ihrem Anführer. Das beunruhigte ihn noch mehr, was er natürlich vor seinen Kameraden erst einmal verheimlichen wollte.
„Was habt ihr vor?“, stieß nun Audia mit leicht wütender Stimme hervor.
„Das werdet ihr sowieso gleich erfahren. Mach dich an die Arbeit, Hypnosa!“, befahl er.
Hypnosa schwebte anmutig zum Stuhl herüber, auf dem Triclops immer noch schlief. Sie beugte sich so vor, dass ihr Kopf genau auf Augenhöhe mit dem Jungen war.
Beelze und die anderen beobachteten misstrauisch, was sich vor ihnen abspielte. Audia hörte das Herz ihrer Freunde laut pochen und sie wusste, dass alle, auch sie selbst, Angst um Triclops hatten.
Sodann sprach Hypnosa mit ihrer hypnotisierenden Stimme los:
„Außerirdischer Junge vom Planeten Ajna, ich spreche nun mit ruhiger Stimme zu dir. Höre mir genau zu. Deine Gedanken werden klarer. Da ist ein Ort, ein ganz besonderer Ort. Dort befindet sich etwas sehr Wertvolles. Du weißt, wo es sich befindet. Du weißt es. Du kannst es sehen. Der Nebel, der deine Gedanken verschleiert, lichtet sich. Alles wird klarer. Du kannst den Ort immer deutlicher erkennen. Du weißt, wo dieser Ort ist. Du weißt, wo sich das wertvolle Stück befindet. Du siehst es nun klar und deutlich vor deinem geistigen Auge. Nun nimmst du Abstand. Du siehst den Ort von außen. Nun steigst du in die Luft und siehst die Umgebung dieses Ortes. Du nimmst jede Kleinigkeit war. Du reist weiter in die Luft und entfernst dich. Alles, was um diesen geheimnisvollen Ort ist, erkennst du nun. Du näherst dich dem Weltraum und hast trotzdem den Ort noch genau im Blickwinkel. Du kannst nun den Kontinent sehen, auf dem sich der Ort befindet. Die genaue Position ist dir nun bekannt. Du blickst genau dahin, wo sich der Ort befindet und kannst ihn deutlich lokalisieren. Nun sag mir, Junge vom Planeten Ajna, wo befindet sich dieser Ort? Wo ist er?“
Triclops’ Augen zuckten angestrengt. Sein Gesicht zog lauter Falten. Man merkte, wie konzentriert und angespannt er war. Nach einigen Momenten sprach er langsam und monoton los:
„Es befindet sich in Malaysia, in der Good-Luck-Höhle. Darin befindet sich die Sawarak-Kammer. In dieser Kammer befindet sich ein Felsen. In diesem Felsen ist das Artefakt.“
Kurze Zeit herrschte absolute Stille. Der Atem aller Anwesenden schien stehen geblieben zu sein. Plötzlich durchbrach Pix’ entsetze Stimme das Schweigen:
„Wie bitte? Woher kennt er denn diese komischen Orte?“
„Dummes Kind“, lachte Ilusio nun hämisch los. „Ihr Kinder habt wirklich keine Ahnung von euren Heimatplaneten. Wenn ein Bewohner von Ajna, so wie dieser Junge hier, Höhlen in seinen Visionen sehen kann, mit denen er vorher noch nie in Berührung gekommen ist, dann ist in seinem Unterbewusstsein natürlich auch irgendwo der Name dieser Höhle gespeichert.“
Die Alienkids blickten sich gegenseitig erschrocken an. Nun hatte Ilusio das bekommen, was er wollte. Was bedeutete dies nun für sie?
Der Sohn des Dunkeln Welchen rieb sich erfreut die Hände:
„Gut, dann holen wir uns nun unser lang ersehntes Stück. Soll Datt, du begleitest mich, während Lektra und Hypnosa hier bleiben. Folge mir!“
Ilusio und Soll Datt verließen nun den Raum, während Lektra ihre Kollegin beglückwünschte:
„Super, du hast es geschafft, Hypnosa!“
Doch Hypnosa ließ sich unbeeindruckt und blieb regungslos stehen. So konzentrierte sich Lektra auf die Gefangenen:
„Ich danke euch vielmals. Durch euch haben wir es endlich geschafft und können das Artefakt nun an uns bringen.“
„Was ist dieses Artefakt überhaupt?“, wollte Audia wissen.
„Das geht dich überhaupt nichts an“, schrie Lektra sofort energisch los.
„Sie weiß es selbst nicht“, warf nun Empat kleinlaut ein. „Ich spüre, dass sie verunsichert ist.“
„Hör damit sofort auf, Knirps“, fauchte sie mit ihrer schrillen Stimme und klopfte mit der Faust gegen das Glas.
„Gar nichts werde ich“, entgegnete Empat ihr nun etwas sicherer, was seine Freunde überraschte. So mutig kannten sie ihren grünen Kameraden gar nicht. Da hörte Audia etwas sehr leises und blickte in Richtung Triclops. Sie sah, dass er aufgewacht war und nun leise versuchte, sich von dem Stuhl zu erheben. Hypnosa verfolgte währenddessen den Zank zwischen Lektra und Empat. Nun wusste Audia was los war. Empat hat gespürt, dass Triclops nun wieder bei Bewusstsein war und lenkte deshalb Lektra von ihm ab. Audia stieg sofort darauf ein und griff nun auch Hypnosa an:
„Und du Möchtegern-Psychotante denkst auch, du hättest uns nun. Doch vielleicht war das ja nur ein Plan von uns und wir haben dich auf die falsche Fährte geführt.“
Hypnosa riss die Augen auf und begriff dies als Herausforderung. Sie ging schnurstracks auf Audia zu und stellte sich nun auch vor die gläserne Wand und keifte los:
„Meine Fähigkeiten trügen nicht!“
Beelze und Pix begriffen noch immer nicht, bis sie schließlich Triclops sahen, wie er mit zwei gezielten Schlägen auf den Hinterkopf die beiden außerirdischen Bösewichte zu Boden streckte. Nun lagen Lektra und Hypnosa bewusstlos auf dem kalten Metallboden.
„Ausgezeichnet“, lobte Pix hoch erfreut los.
„Kannst du uns hier raus holen?“, wollte Beelze sofort wissen.
Mit seinem dritten Auge suchte Triclops den Raum nach dem Mechanismus zum Öffnen der Glaswand ab. Schließlich entdeckte er an einer Seitenwand ein unsichtbares Kontrollfeld. Er tippte es an und plötzlich erleuchteten Knöpfe einer Tastatur. Er tippte wild darauf los und plötzlich schob sich die Glaswand nach oben und die vier Freunde waren frei.
„Das lief ja einwandfrei“, freute sich Beelze.
Schnell verließen sie den Raum, bevor die beiden Frauen wieder aufgewacht waren. Sie rannten einen langen Korridor entlang, ohne genau zu wissen, wohin sie mussten. Schließlich forderte Triclops alle auf, stehen zu bleiben.
„Lasst uns erst überlegen, was wir jetzt tun.“
„Ja, wir sollten wohl überlegt vorgehen“, stimmte Pix zu.
„Ihr drei seid doch diejenigen mit den übersensiblen Fähigkeiten. Setzt sie doch mal ein“, forderte Beelze auf.
Erstaunt darüber, dass er mal einen guten Vorschlag gemacht hatte, versuchten Triclops, Audia und Empat mit ihren Fähigkeiten etwas heraus zu bekommen.
„Ich höre nichts Besonderes, außer die Maschinen dieses Schiffes“, begann Audia.
„Ich spüre Ilusio und Soll Datt auch nicht. Und Hypnosa und Lektra liegen noch bewusstlos in der kleinen Halle. Vor uns in dem Raum befindet sich aber Heildas. Er ist leider auch hier“, erklärte Empat.
„Ja, ich sehe ihn“, fügte Triclops nun hinzu. „Vor uns muss sozusagen der Steuerraum sein.“
„Ilusio und Soll Datt müssen demnach schon auf der Erde sein“, vermutete Pix. „Wahrscheinlich haben sie sich genau zu dieser Höhle teleportiert.“
„Das ist sehr gut möglich“, stimmte Beelze zu. „Aber was machen wir nun?“
„Dieses kleine fliegende Ding kann uns wirklich nichts anhaben. Wir werden ihn zwingen, uns auch zu dieser Stelle auf der Erde zu bringen“, sprach Triclops. Die anderen nickten überzeugt.

Derweil befanden sich Ilusio und Soll Datt schon in der Good-Luck-Höhle in Malaysia auf dem Weg zur Sarawak-Kammer, wo sich das Artefakt befinden sollte.
„Endlich werde ich das Artefakt nach dieser langen Suche in den Händen halten können. Mein Vater wird sehr stolz auf mich sein“, sprach der Sohn des Dunklen Welchen erfreut.
Schnellen Schrittes eilten sie durch die dunklen Gänge der Höhle. Soll Datt leuch-tete alles mit einer außergewöhnlichen Taschenlampe aus, sodass der ganze Weg vor ihnen sich hell erleuchtete.
Nach einiger Zeit erreichten sie einen riesigen Höhlenraum. Er war ungefähr 700 Meter lang und 400 Meter breit. Als Soll Datt die Decke der sogenannten Sarawak Kammer ausleuchtete, stellten sie fest, dass sie sich bestimmt an die 70 Meter über ihnen befinden musste.
Am hinteren Ende der Kammer befand sich eine Bodenspalte, die in die Tiefe führte. Und davor stand ein riesiger Felsen, in dem sich das Artefakt befinden musste.
Ehrfürchtig bewegte sich Ilusio auf den Felsen zu. Er konnte es kaum fassen. Er war seinem Ziel so nahe gekommen und in diesem Moment nahm er an, dass ihn nichts mehr aufhalten konnte.
Doch plötzlich trat hinter dem Felsen eine Gestalt hervor. Ilusio war irritiert und ohne zu zögern, leuchtete Soll Datt den Mann an, der nun vor ihnen stand.
Das kann doch nicht wahr sein, dachte sich der Sohn des Dunklen Welchen.
Der groß gewachsene, breitschultrige Außerirdische mit dunkelroten Haaren und rötlicher Haut hatte zwei Hörner auf dem Kopf. Er war ein Bewohner des Planeten Capra, genau so wie Beelze.
„Du bist Lucius!“, erkannte Ilusio bedauernd.
„Richtig“, gab er zu. „Und du scheinst vom Dunklen Welchen geschickt worden zu sein.“
„Ich bin sein Sohn, Ilusio, und ich bin hier, um mir das Artefakt zu holen.“
„Das werde ich mit meinem Leben verteidigen. Deshalb stehe ich hier und wache seit Jahren über diesen Ort.“
Dass Lucius dort schon seit Längerem verweilen musste, sah man ihm auch an. Seine Kleidung bestand aus einer alten zerschlissenen dunklen Hose und einem ärmellosen, schmutzigem, weißen Shirt. Auch allgemein wirkte Lucius sehr ausgezerrt. Seine Haut war angegriffen und um seine Augen hatten sich kleine Falten der Anstrengung gebildet. Trotzdem wirkte er entschlossen und mutig. Er war auf einen Kampf vorbereitet.
Und dieser begann. Soll Datt und Ilusio stürzten sich gemeinsam auf Lucius. Alle drei strengten sich an, um seinen Gegner nieder zu strecken. Es flogen die Fäuste und jeder musste gewisse Hiebe einstecken. Soll Datt und Ilusio strotzten nur vor jugendlicher Energie, während Lucius aber mehr Erfahrung und die bessere Technik im Nahkampf aufwies. Allerdings hatte er es mit zwei Gegnern zu tun und lange würde er nicht mehr gegen sie bestehen können. Wenn nichts mehr geschehen sollte, dann bedeutete das bald eine Niederlage für ihn und dann würde das Artefakt in die Hände von Ilusion geraten. Das würde wahrscheinlich das Ende der Erde bedeuten.

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