Dienstag, 3. Juni 2014

[Alien Fighter] Kapitel 14: Nutzloser Kampf


Claude sah, wie sich Wolken aufzogen. Es wurde plötzlich dunkel und neblig. Er rannte durch die Straßen, die menschenleer waren. Alle Leute hatten sich in ihren Häusern verschanzt. Irgendetwas stimmte nicht. Er rannte weiter und weiter und wollte wissen, was hier vor sich ging. Plötzlich bebte die Erde unter ihm und er sprang auf die Seite, als sich der Boden unter ihm öffnete. Gerade rechtzeitig konnte er sich vom Sturz in die Tiefe bewahren. Explosionen um ihn herum ertönten und er sah, wie die Häuser zu Trümmern zerfielen.
Er erhob sich wankend und rannte weiter. Weitere Explosionen konnte er aus der Ferne wahrnehmen. Als er sich umdrehte, sah er Feuer und Rauch. Die Stadt schien in Flammen aufgegangen zu sein. In weiter Ferne erblickte er ein riesiges, undefinierbares Flugobjekt über der Stadt. Es war kein Flugzeug.
So muss ein Raumschiff aussehen.
Er sah, wie das Schiff mit seltsamen Kanonen auf die Stadt feuerte und alles in Schutt und Asche legte. Das musste es sein.
Die Vernichtung der Welt.
Ilusio, Lektra und die ganzen anderen bösen Außerirdischen mussten zum finalen Angriff übergegangen sein. Er konnte es nicht verhindern. Keiner konnte es verhindern. Die Welt wird dem Erdboden gleich gemacht worden sein, bevor der nächste Tag anbrechen würde.
Und plötzlich gab es einen erneuten, lautstarken Knall und der Boden unter ihm vi-brierte. Und da spürte er, wie es unter ihm nachgab und die Straße komplett aufriss. Nun war auch sein Ende gekommen.
Da fuhr er erschrocken hoch und erwachte aus seinem Traum. Aus einem Albtraum.
Nein. Schlimmer. Es war eine Vision.
In der Schule trafen sich Damon, Jenny, Mei, Chiara und Patrick auf dem Schulhof. Sie hatten gerade eine Vergleichsarbeit in Mathe geschrieben und waren auf einer Seite erleichtert, dass es vorbei war, auf der anderen Seite aber teilweise recht angespannt.
„Ich habe ein ungutes Gefühl“, meinte Damon. „Ich glaube, ich kriege eine Fünf.“
„Aber wir haben gestern doch noch den ganzen Abend gelernt“, warf Jenny ein.
„Das heißt aber noch lange nicht, dass ich dann alles verstanden habe“, wehrte sich Damon.
„Also ich hatte keine Probleme“, äußerte Mei.
„Ich auch nicht“, ergänzte Chiara.
„Ach, ihr Mädchen“, grummelte Damon. „Normalerweise solltet ihr gut malen können und das war’s.“
„Was ist das denn für ein Spruch?“, entgegnete Jenny leicht säuerlich. „Am besten, wir sollten nur Hauswirtschaft und Kunst in der Schule lernen, oder wie? Was für ein Macho bist du denn?“
„Jetzt sag doch auch mal was, Patrick! Siehst du das nicht so wie ich?“
Doch Patrick antwortete nicht auf Damons Frage. Stattdessen starrte er abwesend Löcher in die Luft.
„Was ist los?“, wollte Chiara wissen.
Da kam Patrick wieder zu Besinnung und schüttelte verwirrt den Kopf.
„Ach, entschuldigt bitte. Eben ging Claude an mir vorbei und ich spürte eine richtige Panik in ihm. Er hat große Angst vor etwas und das bereitet mir Sorgen.“
„Oh“, sagte Chiara besorgt, „was hat das zu bedeuten?“
„Hoffentlich ist nichts Schlimmes passiert“, mutmaßte Jenny. „Wir sollten ihn mal darauf ansprechen.“
„Ihr wisst doch, wie stur er ist“, widersprach Damon. „Er wird uns sicher nichts sagen.“
Alle schauten leicht enttäuscht zu Boden. Sie wussten, dass Damon Recht hatte. Schließlich wollte Claude keine Freundschaft mit ihnen, was bedeutete, dass er ihnen auch nichts anvertrauen würde.

Nach der Schule beschloss Patrick trotzdem einmal mit Claude zu sprechen. Er wollte wenigstens versuchen, etwas heraus zu finden. Den ganzen restlichen Schultag musste er darüber nachdenken. Es ließ ihn einfach nicht los, sodass er es nicht einfach ignorieren konnte. Im Gegensatz zu den anderen hatte er letztendlich Claudes große Panik selbst spüren können. Das beunruhigte ihn zutiefst und er musste einfach wissen, was das zu bedeuten hatte.
Als er seinen Schulkameraden sah, rannte er schnell zu ihm und tippte ihn von hinten an die Schulter. Claude erschrak förmlich und Patrick durchfloss erneut eine riesige Panik. Als Claude bemerkte, dass es bloß Patrick war, der hinter ihm stand, schrie er los:
„Was soll das? Bist du blöd? Lass mich in Ruhe!“
„Entschuldige, Claude“, stotterte Patrick. „Ich… ich wollte dich nur etwas fragen.“
„Was willst du von mir?“
„Können wir uns vielleicht irgendwo anders hinbewegen? Hier ist zu viel Trubel und…“
„Ich möchte nirgendwo mit dir hin. Sag einfach, was du von mir willst und dann können wir die ganze Sache abkürzen.“
„Na gut“, sagte Patrick resigniert. „Ich möchte bloß wissen, woher deine riesige Angst kommt?“
„Wie bitte?“, gab der blonde Junge etwas gereizt zurück.
„Ich habe empathische Fähigkeiten und spüre deine Panik, Claude. Mir kannst du nichts vormachen.“
Claude funkelte seinen Gegenüber böse an.
„Lass mich einfach in Ruhe! Das geht dich überhaupt nichts an!“ Er drehte sich um und wollte schon abhauen, doch Patrick hielt ihn auf:
„Ich will dir doch nur helfen!“
Claude drehte sich noch einmal um und zischte seinen gutmutigen Schulkameraden bösartig an:
„Helfe du dir lieber selbst! Ich habe gesehen, dass die Welt schon bald dem Untergang geweiht ist. Jetzt muss ich überlegen, wie ich das verhindern kann.“
Patrick war erschrocken. Er konnte kaum glauben, was er da hörte. Schnell versuchte er sich wieder zu sammeln und entgegnete:
„Aber wir können doch zusammen überlegen, wie wir das verhindern. Du, die anderen und ich gemeinsam.“
„Ich bin derjenige, der diese Vision hatte, nicht ihr. Also ist es ganz allein meine Sache.“ Mit diesen Sätzen drehte sich Claude endgültig herum und lief mit schnellen Schritten davon.
Schockiert und bestürzt blieb Patrick auf dem Schulhof zurück.

Später erzählte Patrick alles seinen neuen Freunden, die fassungslos reagierten. Sie konnten nicht glauben, was Claude in seiner Vision gesehen hatte. Auch Heildies war zutiefst verstört darüber.
„Also wird der Dunkle Welche es schaffen“, stellte Mei fest. „Er wird die Erde einnehmen und vielleicht sogar zerstören.“
„Das heißt, wir sind alle verloren“, bemerkte Chiara mit zitternder Stimme.
„Das muss nicht sein“, widersprach Heildies. „Wenn Claude diese Vision hatte, bedeutet das lediglich eine Warnung. Die Zukunft ist nicht fest. Sie kann noch verändert werden.“
„Und was sollen wir nun tun?“, wollte Mei wissen.
„Wir müssen nun alle zusammen halten und kämpfen. Wir können das schaffen“, versprach Heildies, was die anderen aber nicht hundertprozentig überzeugen wollte. Sie waren trotzdem sehr angespannt und verängstigt. Zum ersten Mal wurde ihnen so richtig bewusst, in welcher Situation sie sich befanden. Es wurde ernst und war kein Spiel mehr.
„Claude regt mich richtig auf“, raunte Damon plötzlich los. „Dieser Alleingang! Warum muss er so stur sein?“
„Bleib ruhig“, versuchte Jenny auf ihn einzuwirken.
„Wie soll man da ruhig bleiben, wenn einer aus der Reihe tanzt? Der muss mal langsam über seinen Schatten springen und sich mit uns zusammen tun.“
Damon redete sich völlig in Rage und die anderen konnten ihn nicht beruhigen. Wutentbrannt zog er seine Jacke an und wollte aus der Tür heraus.
„Was hast du vor?“, wollte Jenny von ihm wissen.
„Dem Schnösel werde ich jetzt mal was erzählen. Ich lasse mich jetzt nicht mehr abwimmeln.“
Bevor einer der anderen etwas erwidern konnte, war Damon schon draußen und knallte die Tür lautstark hinter sich zu.
„So habe ich ihn ja noch nie erlebt“, wunderte sich Chiara.

Damon hatte Glück und sah Claude, wie er die Straße entlang lief.
Dann kann ich mir ja den Weg zu ihm nach Hause sparen.
Er rannte mit schnellen Schritten auf den blonden Jungen zu und baute sich genau vor ihn auf, womit er ihm sodann den Weg versperrte.
„Jetzt auch noch du“, grummelte Claude los.
„Ja, jetzt auch ich“, schrie Damon wütend. „Patrick hat mir alles erzählt. Ich kann es nicht fassen, dass du so stur bist. In so einer Situation muss alles dafür getan werden, damit die Gefahr abgewendet werden kann. Da ist kein Platz für dumme Alleingänge.“
„Lass du mich gefälligst in Ruhe!“, schnauzte Claude zurück. „Für dich und deine lieben Freunde ist das alles nur ein Spiel. Ihr hält euch für Superhelden, dabei geht gerade die Welt unter. Ich habe keine Zeit, mich mit euch Kindern zu befassen.“
„Du redest Unsinn“, widersprach Damon, aber da wurde er auch schon kräftig zur Seite gedrängt. „Hey!“, beschwerte er sich, „was hast du vor? Alleine kannst du doch nichts ausrichten.“
Claude drehte sich wieder um und entgegnete:
„Bestimmt kann ich mehr bewirken, als wenn ich euch Kinder am Bein hätte.“ Er wollte schon wieder weiter laufen, als ihn Damon von hinten an die Schulter packte.
„Wen nennst du hier Kind? Allein wirst du nichts anrichten können oder willst du den Dunklen Welchen und die bösen Aliens zu Tode ansehen?“
Wütend riss ihm Claude die Hand von seiner Schulter und stieß ihn nach hinten, woraufhin Damon verärgert seine Fäuste ballte.
„Ich werde mehr ausrichten können als du Schwächling“, raunte Claude bestimmt.
„Wer ist hier der Schwächling? Wenn du willst, können wir mal austesten, wer hier schwach ist“, schlug Damon vor.
„In Ordnung. In einer Stunde an der Lichtung im Wald. Dort können wir ungestört kämpfen.“
Damon nickte zum Einverständnis, woraufhin sich die beiden Kontrahenten trennten.

„Aber das kannst du doch nicht machen“, rief Jenny entsetzt aus, als sie von Damon hörte, was Claude und er vorhatten. „Ihr dürft nicht miteinander kämpfen.“
Auch die anderen zeigten kein Verständnis für Damons Plan.
„Was soll das bringen?“, wollte Mei wissen.
„Wir sollten uns nicht gegenseitig, sondern gemeinsam das Böse bekämpfen“, wendete Heildies ein.
„So was versteht ihr nicht! Ich muss ihm beweisen, dass er nicht so stark ist, wie er denkt“, gab Damon erklärend zurück.
„Das ist doch nur dummes Machogehabe“, seufzte Chiara.
Damon wollte seinen Freunden aber nicht mehr weiter zuhören und machte sich auf den Weg zum Treffpunkt. Heildies folgte ihm, während die drei Mädchen zurückblieben.
„Sollen die sich doch die Köpfe einschlagen“, meinte Jenny beleidigt. Mei und Chiara stimmten ihr zu.
Patrick wusste noch nicht, was er tun sollte. Auf der einen Seite fand er den Kampf nicht richtig, aber er konnte auch nicht einfach nichts tun und abwarten, wie die beiden sich gegenseitig zu Brei schlugen. Deshalb entschied er sich nach kurzem Zögern doch noch Damon und Heildies zu folgen.

An der Waldlichtung angekommen, sah Damon, dass Claude sein Versprechen gehalten hatte und bereits auf ihn wartete. Er hatte sich sogar schon in Triclops verwandelt. Damon zögerte nicht lange und verwandelte sich ebenso in Beelze.
„Du hast wohl deine Babysitter mitgebracht“, lachte Claude seinen Gegenüber aus.
„Dafür kann ich nichts“, gab Beelze zurück. „Sie sind mir einfach gefolgt.“
„Lass uns keine Zeit verschwenden und sofort loslegen.“
„Gut!“
Und so begann der Kampf. Konzentriert schauten sich beide an und bewegten sich langsam aufeinander zu. Wie in einem Ring bewegten sie sich im Kreis und begutachteten sich gegenseitig. Heildies und Patrick standen entsetzt am Rand und wussten nicht, wie sie den Kampf verhindern sollten. Heildies versuchte es mit beschwichtigenden Worten, aber die beiden Kämpfer ignorierten sie und blendeten seine Stimme aus.
„Beide sind sehr angespannt“, flüsterte Patrick dem feenartigen Wesen zu. „Aber sie meinen es völlig ernst.“ Bei diesem Satz musste der Junge selbst kräftig schlucken.
Und dann ging es los. Triclops sprang auf Beelze los und versetzte ihm einen Schlag in die Magengrube. Damon krümmte sich kurz vor Schmerz, richtete sich aber sofort wieder auf und verpasste dem dreiäugigen Alien einen Seitenhieb. Triclops machte eine schnelle Drehung und wollte Beelze einen Tritt verpassen, doch dieser schnappte sich das Bein und schleuderte es von sich. Sodann holte Beelze sein kleines Feuerzeug heraus und entfachte eine kleine Flamme, die er auf Triclops warf. Doch er verfehlte ihn und die Flamme verpuffte an einem Baumstamm.
„Zum Glück hatte es geregnet“, sprach Patrick leise, „sonst könnte Beelze einen Waldbrand verursachen.“
„Das weiß er“, antwortete Heildies zur Erklärung.
Plötzlich sprang Triclops direkt auf Beelze zu und warf ihn zur Erde. Auf dem Boden wälzten sich die beiden hin und her und prügelten aufeinander ein. Heildies kniff die Augen zusammen, weil es dem Treiben nicht mehr zuschauen wollte. Patrick überlegte angestrengt, wie er einschreiten könnte.
Beide Kämpfer hatten schon lauter Striemen am ganzen Körper. Sie waren von blauen Flecken übersäht und Beelze hatte sogar ein sehr zugeschwollenes Auge. Da verwandelte sich Patrick schließlich auch in Empat.
Heildies wunderte sich ersichtlich über den grünen Alienjungen und fragte sich, was er wohl vorhatte. Da schloss Empat die Augen und konzentrierte sich.
Nach einigen Sekunden hörten die beiden Streithähne auf zu kämpfen. Ihr Puls beruhigte sich und insgesamt wurde die Anspannung der Situation gelöst. Beelze und Triclops richteten sich langsam auf und sie merkten, dass sie gar kein Bedürfnis mehr hatten, miteinander zu kämpfen. Da schauten sie gleichzeitig auf Empat und ihnen ging ein Licht auf. Sie wussten, dass er dies steuerte und sodann wehrten sie sich innerlich gegen dieses Gefühl. Mit Erfolg.
Empat öffnete die Augen und suchte nach einer Erklärung:
„Irgendwie musste ich euch doch stoppen.“
„Lass das gefälligst“, brüllte ihn Triclops an, „das ist eine Sache zwischen ihm und mir.“
„Ausnahmsweise hat er Recht“, bestätigte Damon, konnte sich dabei aber ein schiefes Grinsen nicht verkneifen.
Sofort blickte ihn Triclops böse an:
„Auch das hier ist nur ein Spiel für dich, richtig? Wie alles,“ fauchte er seinen Gegner an. „Das hat alles keinen Sinn.“ Triclops kehrte den anderen den Rücken zu und marschierte mit festen Schritten davon.
„Hey“, schrie ihm Beelze hinterher, „unser Kampf ist noch lange nicht vorbei.“ Doch Triclops reagierte nicht mehr und verschwand im Dickicht des Waldes.
Beelze schaute seinen grünen Freund leicht verärgert an und sprach:
„Jetzt hast du es ja doch geschafft.“
Und darüber war Empat sehr froh. Zwar waren sie nun keinen Schritt weiter, aber ein Kampf war seiner Meinung nach sowieso sinnlos. Er wollte nicht, dass die beiden sich bekämpfen. Es muss einen anderen Weg geben, um Triclops umzustimmen.
Heildies war auch sehr erleichtert über den Ausgang der Sache:
„Das ist ja noch mal gut gegangen. Ihr hättet euch ernsthaft verletzen können.“
„Aber du bist doch da gewesen“, entgegnete Damon lächelnd. „Du kannst unsere Verletzungen doch jederzeit heilen.“ Und mit diesem Satz machte sich Heildies schon ans Werk und setzte seine Fähigkeiten ein, um Beelzes Kratzer und Blessuren verschwinden zu lassen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen