Dienstag, 13. Mai 2014

[Alien Fighter] Kapitel 11: Kampf auf einem Wolkenkratzer


Am nächsten Tag suchte Chiara ein persönliches Gespräch unter vier Augen mit Jenny. Diese war zunächst sehr verwundert darüber, willigte aber natürlich ein.
Chiara wollte sich für den offensichtlichen Annäherungsversuch an Damon bei Jenny entschuldigen, weil sie gemerkt hatte, dass Jenny mehr für ihn empfand, als sie zugeben wollte.
„Du kannst es ruhig zugeben. Du bist in ihn verknallt.“
Jenny war zunächst verunsichert, aber nachdem die blonde Schönheit hoch und heilig versprochen hatte, niemanden etwas davon zu erzählen und zudem noch die Finger von Damon zu lassen, gab sich Jenny einen Ruck.
„Du hast ja Recht. Aber Damon und ich kennen uns schon so lange. Wir waren immer die dicksten Freunde und ich glaube, mehr wird daraus nicht.“
„Jetzt gib doch nicht so schnell auf, Jenny“, entgegnete Chiara ihr mit einer zuckersüßen Stimme. „Du musst natürlich was dafür tun, dass Jungs auf dich aufmerksam werden. Du kannst nicht darauf warten, dass etwas von Damon kommt. Dafür sind Jungs in unserem Alter noch nicht reif genug. Du musst die Initiative ergreifen.“

„Ja, meinst du das im ernst?“
„Sicher“, bestätigte sie erneut. „Und ich werde dir dabei helfen, Damon herum zu kriegen. Ich habe da auch schon eine Idee.“
Nun war Jenny neugierig geworden. Natürlich hatte sie jetzt etwas Bange davor, was sich Chiara wohl einfallen lassen wollte. Sie fragte sich innerlich, ob sie schon soweit war, einen Schritt auf Damon zuzugehen. Jedenfalls in diesem Punkt. Andererseits war sie aber auch froh, dass sie ihrem Freund eventuell näher kommen konnte. Nur der Gedanke daran brachte ihr Herz zum Rasen.

Derweil stand Lektra erneut vor ihrem Meister und musste sich anhören, dass sie schon wieder versagt hatte.
„Aber Meister, diesmal hat es Heildas vermasselt“, versuchte sie sich zu verteidigen. „Er hat unseren Plan nicht komplett durchgeführt.“
„Ist das wahr, Heildas“, wollte Ilusio wissen.
„Beinahe hätte ich es geschafft, aber ich konnte doch nicht damit rechnen, dass da plötzlich dieses Mädchen vom Planeten Petalouda auftauchte. Sie war nicht eingeplant worden. Wenn ich gewusst hätte, dass eine von denen fliegen kann, dann hätte ich das mit einberechnet.“
Ilusio regte sich bei dem auf, was er da hören musste. Nicht nur, dass diese Kinder noch immer nicht aus dem Weg geräumt waren, nein, da ist noch ein zusätzliches Alienkind aufgetaucht.
„Jetzt fehlt nur noch eines und sie sind komplett“, schrie er wütend. „Das darf doch nicht wahr sein!“
Aufgeregt lief der Sohn des Dunklen Welchen hin und her und dachte nach. Welcher Schritt wäre als nächster zu machen? Wie sollte er nun weiter vorangehen?
„Wenn ihr schon zusammen arbeitet“, murmelte er vor sich hin, „dann macht es doch bitte richtig.“
„Ich bin untröstlich, Meister“, entschuldigte sich Lektra. „Das nächste Mal werde ich es besser machen.“
„Wie oft willst du mir das noch versprechen?“, brüllte er sie an, sodass Lektra zusammenzuckte. „Ich will endlich Ergebnisse sehen. Und jetzt haut ab. Ich will euch nicht mehr sehen.“
Schnell eilten Lektra und Heildas aus Ilusios Sicht und brachten sich in Sicherheit, bevor er komplett die Fassung verlor.

Jenny, Chiara und Lektra befanden sich auf dem Dach eines Hochhauses, welches ein bekanntes Hotelgebäude in der Stadt war. Dort oben stellten sie einen runden Tisch mit zwei Stühlen auf. Zudem deckten sie den Tisch feierlich und stellten unter anderem romantische Kerzen auf. Das sollte Chiaras Plan darstellen: Ein romantisches Essen über den Dächern der Stadt.
„Und du bist dir sicher, dass wir das hier machen dürfen?“, erkundigte sich Jenny sicherheitshalber.
„Na klar. Mein Papa ist jetzt der Geschäftsführer dieses Hotels. Da wird niemand etwas dagegen haben“, stellte Chiara fest.
„Ein bisschen kitschig ist das ja schon“, mischte sich nun Mei ein.
„Bitte verrate aber nichts“, flehte Jenny sie an. „Vor allem verliere kein Wort darüber in der Schülerzeitung!“
„Das mache ich schon nicht. Versprochen.“
Jenny war erleichtert, aber auch ziemlich aufgeregt. Vielleicht hatten die drei Mädchen zu dick aufgetragen, befürchtete Jenny. Was ist, wenn sich Damon zu überrumpelt fühlen würde? Oder aber er fände es zu übertrieben? Darüber machte sie sich große Sorgen. Aber am schlimmsten war ihre Angst davor, komplett zurückgewiesen zu werden, weil Damon gar keine Gefühle für sie hatte. Das würde sie zutiefst verletzen.
Chiara sah, dass sich ihre neue Freundin wohl Gedanken machte und daher legte sie ihren Arm um sie und versuchte sie zu beruhigen:
„Mach dir keine Sorgen, Süße! Du wirst sehen, alles wird gut ausgehen und am Ende seid ihr beide ein glückliches Paar.“
Das Wort Paar klang wunderschön in Jennys Ohren. Aber es klang auch so groß und mächtig. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie das wohl sein würde und ob es überhaupt passieren könnte. Es wäre auf jeden Fall zu schön, um wahr zu sein.
„Chiara, bleibst du dann heute Abend bitte auch in der Nähe?“
„Wenn du das wünscht, gerne. Dann verstecke ich mich da hinter dem Treppenhauseingang“, versprach sie ihr.
Beruhigt stellte sich Jenny an den Rand des Daches und blickte über die Stadt. Im Moment war noch helllichter Tag und viel Trubel da unten. Doch heute Abend würde sie, sobald die Dunkelheit hereinbrach, Damon hier nach oben locken und ein romantisches Essen bei Kerzenschein mit ihm haben.

Später war es dann soweit. Die Sonne war schon langsam dabei, unter zu gehen, als Jenny Damon eine SMS schickte, dass er doch bitte ganz schnell auf das Dach des Hotels kommen sollte. Natürlich wusste sie, dass sie ihren Freund damit erschrecken würde, der wahrscheinlich dachte, sie wäre in Gefahr. Aber sie hatte trotzdem kein schlechtes Gewissen, ihn so hereinzulegen, denn schließlich steckte eine gute Absicht dahinter.
Als er endlich keuchend durch die Treppenhaustür ins Freie trat, fielen ihm beinahe die Augen aus dem Kopf. Seine Freundin aus Kindertagen stand nun da, wie eine Göttin. Sie trug ein knielanges weinrotes trägerloses Kleid, das von oben bis unten glitzerte. Zudem trug sie ihre Haare nach oben gesteckt, sodass man ihre Perlenohrringe funkeln sah. Als er ihr in die Augen blickte, sah er, wie hübsch sie geschminkt war. Schüchtern lächelte sie ihren Freund an und sagte:
„Ich hoffe, es ist nicht allzu schlimm, dass ich dich hierher beordert habe. Ich wollte dich überraschen. Ein Essen wartet hier auf uns.“ Sie zeigte auf den wunderschön gedeckten Tisch, auf dem in einem Kerzenhalter zwei Kerzen flackerten.
Damon war sprachlos. Er brachte keinen Ton heraus und setzte sich wortlos hin, nachdem er Jenny wie ein richtiger Gentleman den Stuhl zu Recht schob. Er schaute sich den liebevoll gedeckten Tisch an. Es gab Pasta und dazu Traubensaft. Als er endlich seine Sprache wiederfand, schaute er seine Freundin lächelnd an und sprach:
„Das hast du alles für mich gemacht?“
„Ich hatte zwei liebe Elfen, die mir geholfen haben.“
„Wow“, rief er erstaunt. „Und das alles nur, weil ich heute ausnahmsweise mal eine Eins in dem Mathetest bekommen habe. Nicht mal meine Eltern haben das so sehr mit mir gefeiert.“
Jenny fiel fast vom Stuhl. Natürlich hatte das Damon alles mal wieder missverstanden. Er dachte, Jenny wollte damit nur seine gute Note feiern und ihm eine Freude machen. Romantische Gedanken hatte er dabei selbstverständlich nicht. Chiara hatte vollkommen Recht. Jungs in dem Alter haben keine Ahnung von Liebe und Romantik. Wenn man ihnen nicht direkt ins Gesicht sagt, was Sache ist, kämen sie nie auf den richtigen Trichter.
Bevor Jenny auch irgendwas einwenden konnte, fing Damon an zu essen. Er schlang die Pasta nur so herunter. Die ganze Mühe war umsonst, dachte sich Jenny enttäuscht. Seufzend nahm sie ihre Gabel in die Hand und begann auch zu essen.
Plötzlich knallte es hinter den beiden laut und ein Rauchschwall stieg in die Luft. Als er sich verflüchtigte, stand Lektra auf dem Dach. Damon sprang sofort auf und brachte sich in Kampfstellung.
„Nun mache ich dich endgültig fertig, Knirps“, schrie die Alienfrau schrill. „Hier kannst du mir nicht weglaufen.“
Da stürmte Chiara aus ihrem Versteck hervor und stellte sich zu den anderen.
„Ach, du bist auch hier“, wunderte sich Damon.
„Du musst die Neue in der Truppe sein“, mischte sich Lektra ein. „Dann kann ich ja gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“
„Und was nun?“, wollte Chiara von Damon wissen. Plötzlich verließ sie doch der Mut und sie wünschte sich, in ihrem Versteck geblieben zu sein.
„Mach es mir einfach nach“, forderte Damon sie auf und rief sodann: „Capra, Alien Form!“
Sie konnte beobachten, wie sich Damons Haut rot färbte und ihm die Hörner auf dem Kopf wuchsen. Sogleich wollte sie sich auch verwandeln und rief deshalb:
„Petalouda, Alien Form!“ Auch ihre Haut veränderte sich und nahm eine rosa Farbe an. Ihre Haare wurden dunkler und ihre Flügel auf dem Rücken wuchsen ebenso. Schließlich sah sie komplett wie eine Fee aus, als sie da so mit ihren Flügeln stand.
Nun standen Beelze und Pix der fiesen Lektra gegenüber. Sie blickten sich gegenseitig böse in die Augen. Es schien so, als wären sie alle bereit zu kämpfen.
Da holte Lektra auch schon aus und schleuderte einen elektrischen Stoß auf die beiden Alienkids. Beelze sprang zur Seite und Pix flog in die Luft. Aber der Stromstoß traf Jenny und sie wurde nach hinten über den Rand des Wolkenkratzers geschleudert. Sie schrie laut auf und schockiert drehte sich Beelze um. Pix reagierte schnell und flog ihrer neuen Freundin hinterher. Auch Beelze stürzte zum Rand und sah Jenny und Pix hinterher. Sein Herz raste und er hoffte, Pix könnte seine Freundin vor dem Aufschlag bewahren. Kurz bevor Jenny unten ankam, griff ihr Pix an den Kragen und bremste somit ihren Sturz ab. Sicher setzte sie das Mädchen vor dem Hotel ab und machte sich sogleich auf dem Rückflug aufs Dach, um Beelze beim Kampf gegen Lektra zu helfen. Leute, die auf der Straße standen, beobachteten das geflügelte Mädchen mit überraschten und schockierten Augen.
Lektra lachte laut auf, weil sie annahm, dass das fliegende Alienmädchen dem anderen Mädchen nicht mehr helfen konnte. Doch sie verstummte, als Pix oben wieder ankam und Beelze berichtete, dass Jenny unten sicher vor dem Hotel stünde.
Sofort entbrannte Lektra wieder in Wut und schleuderte erneut ihre Blitze auf Beelze und Pix, die gekonnt auswichen. Schließlich holte Beelze zum Gegenschlag aus und kramte sein Feuerzeug aus der Hosentasche, mit dessen Hilfe er einen Feuerball formen wollte. Doch das Feuerzeug ging nicht an. Er merkte auch gleich, warum es nicht funktionierte. Das Gas war leer.
„Mist!“, fluchte er und Lektra musste bei dem Anblick wieder loslachen.
„So wird das aber nichts, Knirps. Heute sieht es wohl so aus, als ob du der Verlierer wärst.“
„Das denkst aber auch nur du“, widersprach Pix. Sie stand bei dem gedeckten Tisch und hielt eines der brennenden Kerzen in der Hand. Sie grinste Lektra zufrieden an und flog mit der Kerze schnell zu Beelze. „Hier hast du deine Flamme für deinen Feuerball.“
Sofort nutzte der außerirdische Junge seine Fähigkeit und schleuderte einen Feuerball auf Lektra. Diese sprang schnell hinter den Eingang zum Treppenhaus und brachte sich somit in Sicherheit.
„Und nun?“, wollte Pix wissen. „Was machen wir jetzt?“
„Ich würde vorschlagen, du gehst rechts herum, ich links und somit kesseln wir sie ein.“
„Aber Beelze“, wandte das fliegende Mädchen ein, „ich habe keine Waffe gegen sie. Wie soll ich sie dann in Schach halten?“
Der Einwand war berechtigt und bevor Beelze sich aber weitere Gedanken machen konnte, sprang Lektra auch schon wieder aus ihrem Versteck hervor und schleuderte erneut einen Stromstoß auf die beiden. Schnell reagierten sie und wichen aus. Doch Lektra stoppte nicht und feuerte wie verrückt ihre Blitze ab.
Es war schwierig für die beiden Jugendlichen, den ständigen Angriffen auszuweichen. Langsam ging ihnen die Puste aus, aber sie gaben nicht auf. Aber plötzlich traf Pix doch einer ihrer Blitze und sie fiel schreiend zu Boden und blieb liegen.
„Ha“, rief die böse Außerirdische, „jetzt habe ich sie erwischt. Jetzt fehlst nur noch du!“ Und damit konzentrierte sie ihre Attacken lediglich auf Beelze. Nun war er es, der sich hinter dem Treppenhauseingang versteckte. Langsam schlich Lektra um dieses kleine eckige Gebilde herum, ohne dabei auf Pix zu achten, da sie annahm, sie würde sich sowieso nicht mehr rühren. Doch da hatte sie falsch gewettet. Als sie Pix den Rücken zugekehrt hatte, sprang sie auf und flog blitzschnell auf Lektra zu. Bevor diese reagieren konnte, stieß Pix sie mit einem kräftigen Schubser vom Dach. Erleichtert rannten Pix und Beelze aufeinander zu. Sofort sah er die Schrammen auf den Flügeln von seiner Gefährtin und erkundigte sich:
„Tut das sehr weh?“
„Es geht. Durch den Adrenalinkick spürt man den Schmerz nicht so sehr.“
„Heildies krieg das schon wieder hin. Lass uns Jenny abholen und dann zu ihm gehen. Danach wird es dir wieder gutgehen.“
Zufrieden stiegen sie die Treppen des Hotels herab und ließen alles hinter sich, nichts ahnend, dass Lekta gar nicht so weit gestürzt war. Sie konnte sich zu ihrem Glück am Rand des Daches festhalten und baumelte dort nun so herum, darauf wartend, dass sie einer ihrer Kollegen retten würde. Sie musste nicht lange warten und Soll Datt erschien, um ihr wieder auf das Dach zu helfen. Damit war sie zum Leidwesen der außerirdischen Kids gerettet.

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