Dienstag, 22. April 2014

[Alien Fighter] Kapitel 9: Im Fokus des Bösen


Einige Tage später träumte Claude von seiner Ankunft auf der Erde. Er sah genau, wie Lucius die Säuglinge vom Angriff des Dunklen Welchen rettete und mit ihnen und Heildies zur Erde flog, wo er sie dann frei ließ. Schweißgebadet erwachte er aus seinem Traum, als der Wecker morgens klingelte.
Schon tagelang hatte er nicht mehr von der ganzen Sache geträumt und es so gut verdrängen können. In der Schule versuchten Damon, Mei und auch Jenny ihn anzusprechen, wobei er herausfand, dass auch Mei von einem weit entfernten Planeten herstammte. Aber er wollte nichts davon wissen und ging den Dreien aus dem Weg.
Alles hatte gut geklappt, aber heute wurde er wieder daran erinnert. Das wollte er nicht und so versuchte er, die Vision als Traum ad acta zu legen und sich auf den Schultag zu konzentrieren, den er vor sich hatte.
Im Raumschiff des Ilusio entwickelte Soll Datt eine neue Waffe, die sein Meister Lektra überreichte.
„Dies ist ein neuer Anzug, den du unter deinem gewöhnlichen Anzug tragen wirst, Lektra, sodass ihn niemand sehen wird. Denn durch diesen Anzug strömen elektrische Impulse, die du bei Bedarf abfeuern kannst.“
„Wow!“, rief Lektra beeindruckt aus. „Das heißt, ich kann diese Knirpse unter Strom stellen.“
„Richtig“, antwortete Ilusio. „Damit bist du nun stärker als je zuvor. Enttäusche mich nicht noch einmal!“
„Diesmal nicht, mein Meister. Diesmal werde ich Beelze und den anderen Dreien den Gar ausmachen.“
„Den anderen Dreien?“, wunderte sich Ilusio.
„Ja, nun ist noch ein drittes Kind aufgetaucht. Er ist ein Junge vom Planeten Ajna. Der sollte mir aber keine Probleme machen. Was soll mir sein drittes Auge anhaben können.“
„Unterschätze seine Fähigkeiten nicht, Lektra.“
„Natürlich nicht, mein Meister. Aber er wird mir sowieso nicht im Weg stehen, weil er es gar nicht einsieht, den anderen Knirpsen zu helfen. So sind nur der Junge von Capra und das Mädchen von Akuo das Problem.“
„Na hoffentlich behältst du Recht“, grummelte der Sohn des Dunklen Welchen vor sich hin.

„Warum lässt er nicht mit sich reden?“, brüllte Mei aufgeregt. Sie war ziemlich sauer darüber, dass Claude anscheinend nicht von ihrer wahren Identität wissen wollte.
Die Vierzehnjährige saß mit Damon und Jenny in einem Eiscafé und schlürfte an einem Vanillemilchshake. Damon zuckte nur mit den Schultern, da er es sich auch nicht erklären konnte.
„Klar, ist es ein Schock zu erfahren, man ist ein Außerirdischer“, versuchte sich Mei mehr sich selbst zu erklären als den anderen, „aber es ist auch total spannend, aufregend und einfach cool.“
„Das siehst du so“, widersprach ihr Jenny, „aber für andere mag es eine Last sein. Ich kann das irgendwie nachvollziehen, dass er lieber ein normaler Junge sein möchte.“
„Nichts kannst du“, blaffte sie Mei an. „Du bist nicht wie wir.“
Jenny funkelte das Alienmädchen mit bösem Blick an.
„Mädels, Mädels“, mischte sich nun Damon ein, „streitet nicht! Wir sind doch Freunde. Es reicht doch, wenn sich einer von unserer Gruppe abspaltet. Wir müssen zusammenhalten.“
„Es tut mir leid, Jenny“, entschuldigte sich Mei ernsthaft. „Der Junge regt mich halt ziemlich auf.“
„Ist schon okay“, lächelte Jenny wieder.
Die drei Kids saßen nun schweigend da und schlürften an ihren Milchshakes. Keiner von ihnen wusste weiter. Sie hatten ja schon alles probiert, um mit Claude zu reden, aber dieser blockte ständig ab. Doch dann hatte Damon eine Idee:
„Wir starten unseren letzten Versuch“, begann er. „Bisher hatten wir nur in der Schule versucht, mit ihm zu reden. Da konnte er uns immer ausweichen. Aber wenn wir zu ihm nach Hause gehen, kann er uns ja schlecht rausschmeißen.“
„Dazu müssen wir aber erst in sein Haus gelangen“, stellte Jenny fest. „Willst du etwa bei ihm einbrechen?“
„Natürlich nicht. Aber wenn wir bei ihm klingeln und seine Mutter oder sein Vater an die Tür geht, dann können wir ja ganz lieb fragen, ob wir zu Claude dürfen.“
„Ein Versuch ist es wert“, stimmte Mei zu.
„Wir sollten ihn aber vielleicht nicht alle drei überrumpeln. Es reicht, wenn einer zu ihm geht“, schlug Jenny vor.
„Okay, dann werde ich es tun. Es war ja schließlich meine Idee.“
Und damit war der Plan beschlossene Sache. Nachdem die drei Kinder bezahlt hatten, machte sich Damon auf dem Weg zu Claudes Haus, um ihm einen Besuch abzustatten. Damon war guter Dinge und optimistisch. Diesmal würde er sich nicht so leicht von Claude abwimmeln lassen. Das versprach er sich selbst.

Gesagt, getan. Damon stand vor Claudes Haustür und klingelte. Einen Moment wartete er und eine bildhübsche Dame mit blonden, langem Haar im Alter von Mitte bis Ende dreißig öffnete die Tür. Sie sah den Jungen fragend an.
„Guten Tag! Mein Name ist Damon Dietrich. Ich wollte Claude besuchen.“
Die Dame schaute immer noch ein wenig verwirrt, sprach aber:
„Claude? Mais oui. Un moment s’il te plait.“ Damit drehte sich die Dame um und rief den Jungen.
Damon wusste nicht, dass Claudes Eltern nur französisch sprachen. Er war ein wenig irritiert, freute sich aber, dass er anscheinend verstanden wurde. Kurz darauf kam Claude hinter seiner Mutter zum Vorschein. Er schaute Damon mit bösem Blick an und wendete sich dann seiner Mutter zu:
„Merci, maman“, nickte er ihr zu und sie lächelte Damon nur noch kurz an und verschwand dann im Haus. Als seine Mutter außer Hör- und Sichtweite war, raunte er Damon an:
„Was willst du hier? Lass mich in Ruhe?“
„Aber willst du nicht wissen, wie wir hier auf der Erde gelandet sind? Interessiert dich unsere Geschichte nicht im Geringsten?“, wollte Damon unbedingt wissen.
„Ich weiß bereits alles. Im Traum habe ich unsere Ankunft gesehen.“ Mit dieser Äußerung verwies er mit einem Finger auf die Stelle auf seiner Stirn, wo ein drittes Auge erschien, wenn er sich in seiner außerirdischen Form befand.
Damon begriff es schnell, wollte aber nicht locker lassen und versuchte ihn weiter mit Folgendem zu überzeugen:
„Und was ist mit der Bedrohung, die sich der Erde nähert? Wir sind die Einzigen, die dazu in der Lage sind, das Böse aufzuhalten.“
„Darum soll sich von mir aus die Polizei kümmern. Das geht mich nichts an.“ Und damit wollte er Damon die Türe vor der Nase zuknallen, aber Damon hielt sie mit seinem Fuß auf. Claude blickte seinem Gegenüber böse an und befahl ihm dann, den Fuß aus der Tür zu nehmen, sonst riefe er die Polizei. Da er es sehr ernst zu meinen schien, machte Damon wieder einen Schritt zurück und ließ damit zu, dass Claude die Tür schließen konnte. Wie bestellt und nicht abgeholt, stand Damon nun da, vor verschlossener Tür, total enttäuscht, dass er es wieder nicht geschafft hatte, Claude umzustimmen.
Schließlich beschloss er endgültig, es nicht mehr zu versuchen. Er drehte sich um und plötzlich schaute er direkt in das Gesicht von Lektra.
„Hallo, Knirps“, begrüßte sie ihn lächelnd. „Nett, dich wieder zu sehen. Ich hoffe, es ist diesmal das letzte Mal.“
Damon sprang einen Schritt zurück und wollte sich in Kampfposition bringen. Doch Lektra streckte ihren Arm aus und schleuderte einen kleinen Elektrostoß in Richtung Damon. Dieser schrie vor Schmerz laut auf. Da sprang die Tür hinter ihm auf und Claude erschien. Er sah Lektra, reagierte und zog Damon zu sich ins Haus. Dann schloss er die Tür wieder. Wehklagend rappelte sich Damon langsam wieder auf.
„Was macht die hier?“, wollte Claude wutentbrannt wissen.
„Das weiß ich doch nicht“, antwortete Damon. „Ich habe sie jedenfalls nicht hierher gebracht.“
„Schnell, wir müssen sie hier weglocken. Meine Mutter darf sie nicht sehen.“
Er zog Damon hinter sich her und sie rannten quer durch das Haus. Auf der Rückseite war wohl noch ein Hinterausgang.
„Komm, wir laufen um das Haus herum und locken sie von hier weg“, rief Claude entschlossen.
Damon sah ihm an, wie sehr er sich konzentrierte. Er konnte sich nur zu gut vorstellen, dass er seine Mutter vor dieser verrückten Außerirdischen schützen wollte.
Sie rannten um das Haus herum und sahen, wie Lektra versuchte, durch eines der vorderen Fenster zu schauen.
„Wir sind nicht mehr da drinnen“, rief Claude der Alienfrau zu. „Wir sind hier. Hol’ uns doch, wenn du dich traust.“ Mit diesen Worten zog er an Damon und beide rannten die Straße hinunter. Sie merkten sofort, dass Lektra ihre Verfolgung aufnahm.

Die Verfolgungsjagd ging über drei Häuserblöcke, bis Claude in eine kleine Seitenstraße einbog, die zum Waldrand führte. Lektra war ihnen noch immer auf den Fersen. Die beiden Jungs rannten in den Wald hinein. Damon vermutete, dass sein Schulkamerad sich sicher erhoffte, sich dort irgendwo verstecken zu können.
Als sie nichts mehr als nur Bäume sahen, rief Claude plötzlich:
„Ajna, Alien Form“ und er verwandelte sich in den blauen Außerirdischen Triclops. Damon tat es ihm gleich und verwandelte sich in Beelze.
Dann blieb Triclops kurz stehen und schaute sich um. Beelze wusste, dass er gerade wohl das dritte Auge nutzte, um einen guten Fluchtweg ausfindig zu machen. Als sie Lektras Schritte hinter ihnen hörte, flüsterte Triclops:
„Komm! Hier entlang!“ Und schon rannten sie weiter in den Wald hinein. Sie rannten an Bäumen vorbei und Beelze hatte Schwierigkeiten mit Triclops Schritt zu halten, für den es eine Leichtigkeit war, die Bäume zu umgehen. Es schien, als ob er die Bäume schon viel früher wahrnahm als Beelze und so viel früher seinen Weg planen konnte. Und das war wahrscheinlich dank seinem dritten Auge auch so.
Beelze war ziemlich zurückgefallen, als Triclops plötzlich verschwunden war. Abrupt blieb er stehen und schaute sich um. Wo war der blauhäutige Außerirdische abgeblieben?
„Psst“, flüsterte es Beelze zu und das Geräusch kam von unten. Beelze suchte den Boden ab und sah schließlich Triclops. Er hatte sich in einem großen Erdloch versteckt, welches auf den ersten Blick nicht zu erkennen war, weil überall Laub und Äste herum lagen. Beelze überlegte nicht lange und sprang zu Triclops und so warteten sie auf das Erscheinen von Lektra.
Nach einigen Minuten sahen sie die Alienfrau auch, die sich suchend herumblickte. Sie hatte die beiden Jungen verloren. Dank Triclops hatten sie das beste Versteck gefunden. Als Lektra gerade dabei war, abzuhauen, passierte aber doch noch etwas Unvorhergesehenes. Beelze musste niesen. Und damit verriet er ihr Versteck.
Lektra drehte sich sofort um und schoss einen ihrer Elektroschocks auf die beiden. Mit einem Knall flogen Blätter und Äste durch die Gegend und ihr Versteck war freigegeben.
„Da habe ich euch ja“, lachte Lektra schrill auf.
Beelze und Triclops erhoben sich. Der rote Alienjunge zückte sogleich sein Feuerzeug und machte sich bereit, einen Feuerball auf die Aliendame abzufeuern. Doch Lektra war schneller und schleuderte einen weiteren elektrischen Strahl auf den Jungen, der mit lautem Getöse nach hinten geschleudert wurde.
„Diesmal habt ihr keine Chance gegen mich“, rief die Außerirdische laut auf und freute sich über ihre neue Kraft.
Triclops nahm aber den Blick nicht von ihr und das erschreckte Lektra ein wenig.
„Was schaust du so?“, wollte sie wissen.
Da drehte sich Triclops zu Beelze um, der sich versuchte, wieder aufzurappeln.
„Sie hat einen Anzug unter ihren Klamotten an, durch den diese elektrischen Impulse fließen. Daher hat sie diese Fähigkeit.“
Lektra war von seinen Ausführungen sehr beeindruckt, ließ sich aber nicht einschüchtern.
„Ganz richtig, Knirps Nummer zwei. Und jetzt werde ich euch unter Strom setzen. Bisher habe ich nur einen Bruchteil meiner Energie gezeigt.“
Beelze schaute Triclops hilfesuchend an. Was sollten sie jetzt nur tun? Sie sprach weiter:
„Gleich werdet ihr euch wünschen, lieber von einem Blitz getroffen worden zu sein als von meiner Schockwelle.“ Sie lachte laut und böse los.
Da lief Triclops plötzlich los und ohne dass Lektra reagieren konnte, schlug er mit seiner Faust direkt auf ihre linke Brust. Aufkeuchend sprang sie sofort einen Schritt zurück und griff nach ihrer Brust. Man konnte sehen, wie sie ihr schmerzte. Wütend schaute sie ihn an und schrie:
„Was sollte das jetzt? Das wirst du mir büßen!“
„Das glaube ich kaum“, erwiderte Triclops, drehte sich um und wollte sich langsamen Schrittes davon machen.
„Was soll das?“, schrie sie. „Bleib stehen!“ Sie streckte ihre Hand aus und wollte einen erneuten Elektroschock auf Triclops abfeuern, als ihre Brust zu rauchen anfing. Wie elektrisiert fing sie an zu zucken. Die Brust rauchte noch mehr und schließlich fiel sie mit einem kurzen Schrei zu Boden und wimmerte vor sich hin.
Beelze begriff, was passiert war. Triclops muss mit seinem dritten Auge gesehen haben, wo die Schwachstelle ihrer neuen Waffe lag und hatte den Anzug somit mit einem Schlag unschädlich machen können. Damit war Lektra außer Gefecht gesetzt und die beiden Jungen gerettet.
Beelze war sehr erleichtert und froh über die Entwicklung. Schnell rannte er Triclops hinterher, da er sich bedanken wollte.
„Das war super, Triclops!“
Triclops?“, wunderte sich der blaue Außerirdische.
„Ja“, entgegnete Beelze. „Das ist dein ursprünglicher Name, den dir deine leiblichen Eltern auf Ajna gegeben haben.“
„Aha“, gab Triclops zurück und lief stur weiter, ohne Beelze eines Blickes zu würdigen.
„Wir wären ein super Team. So, wie wir das heute gemeistert haben…“
Wir haben nichts gemeistert“, unterbrach ihn Triclops. „Ich habe das wohl alleine gemacht. Wir sind kein Team und werden auch nie eines sein.“
Beelze blieb enttäuscht stehen und ließ Triclops weiter laufen, der sich nicht mehr umdrehte. Er ließ ihn einfach zurück und Beelze wusste, dass er es mit seinen Worten ernst gemeint hatte. Triclops würde wohl nie ein Mitglied ihres Teams werden, egal wie gut sie zusammen arbeiteten. Und schließlich hatte er ja auch ziemlich Recht damit gehabt, dass er es heute quasi alleine mit Lektra aufgenommen hatte. Beelze kam nicht zum Zug und war eher ein Hindernis als eine Hilfe gewesen. Er musste ja auch noch losniesen, als Lektra beinahe schon wieder weg gewesen wäre. Ohne ihn wäre es wohl nicht mal mehr zum Kampf gekommen.
Traurig über diese Gewissheit verwandelte er sich zurück in Damon und machte sich auf dem Heimweg. Heute Abend hatte er noch vieles, über das er nachdenken musste.

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