Dienstag, 11. März 2014

[Alien Fighter] Kapitel 5: Erzfeinde


„Hast du Lektra zurück auf unser Raumschiff gebracht, Soll Datt“, sprach Ilusio mit einer leicht erzürnten Zunge.
„Ja, das habe ich, Meister“, antwortete Soll Datt, „aber ihr geht es nicht sehr gut. Sie ist verletzt.“
„Zum Glück haben wir gerade Besuch bekommen, mein treuer Leibwächter. Unser Gast kann ihr helfen, sodass sie sich schnell wieder besser fühlt.“
Plötzlich tauchte ein kleines, leuchtendes, fliegendes Wesen hinter Ilusio auf. Soll Datt erkannte sofort, um was es sich handelte:
„Ein Heilmed!“ Und damit lag er sehr richtig. Es sah fast genau so aus wie Heildies, nur dass es statt offenen, warmherzigen Augen, fiese kleine Schlitzaugen hatte. Und sein Körper war nicht orange, sondern Fliederfarben.
„Mein Name ist Heildas“, stellte es sich vor, „und ich bin ab jetzt Besatzungsmitglied dieses Schiffes.“
Ilusio hatte auch schon den ersten Auftrag für ihn. Er sollte Lektra heilen, was das kleine Wesen selbstverständlich gleich erledigte. Doch dann bat es um den Gefallen, sich auf der Erde umsehen zu dürfen. Dies wurde ihm gewährt, da Ilusio ansonsten momentan keine Pflichten mehr für ihn hatte. Heildas war darüber sehr erfreut, denn er hatte mehr auf der Erde vor, als sich lediglich umzuschauen. Er hatte noch eine Rechnung mit jemanden offen, der sich dort befand. Als er hörte, dass sich dieser jemand auf der Erde befand, bat er sogleich seinen Herren, den Dunklen Welchen, auf das Raumschiff seines Sohnes versetzt zu werden. Der Dunkle Welche gab seine Erlaubnis, denn er hatte einige andere Heilmeds unter seinem Kommando, sodass es ihn nicht störte, wenn einer davon woanders positioniert wurde. Und so reiste der Heilmed schnellstmöglich zur Erde.

Unterdessen befanden sich Jenny, Damon und Heildies im kleinen Zimmer von Damon und unterhielten sich. Jenny war noch immer sehr erstaunt über die Begebenheiten. Ihre Angst war nun fast vollkommen verschwunden und stattdessen entwickelte sie eine ungeheure Neugier. Sie wollte unbedingt mehr über Heildies und Heilmeds im Allgemeinen erfahren. Dieses erzählte ihr liebend gerne von seiner Herkunft.
„Wir Heilmeds stammen von der Winkelgalaxie und sind eigentlich auf jedem der dort befindlichen Planeten anzufinden. Ich selbst lebte auf Capra, woher auch Damon beziehungsweise Beelze herstammt. Wie du ja weißt, haben wir die Fähigkeit andere zu heilen. Aber unsere heilenden Kräfte wirken auch in uns selbst und dadurch sind wir quasi unsterblich.“
„Wow“, reagierte Jenny beeindruckt, „das heißt du lebst ewig?“
„Na ja“, entgegnete Heildies, „natürliche Umstände können mir nichts anhaben, weil wir auch nicht altern. Aber ich kann natürlich durch einen äußeren Einfluss getötet werden.“
„Hoffen wir mal, dass das nicht passiert“, mischte sich Damon ein.
„Und wie alt bist du nun schon?“, wollte Jenny wissen. Und Heildies antwortete:
„Im Vergleich zu anderen Heilmeds bin ich noch relativ jung. Irgendwann hört man zu zählen auf, aber in Erdenjahren wäre ich ungefähr an die einhundert Jahre alt.“
„Krass“, brachte Damon heraus.
„Und seit Beginn meines Lebens war ich in deiner Familie tätig, Damon. Deine Urgroßeltern zogen mich sozusagen auf und kümmerten sich stets um mich, während ich ihre Verletzungen und dergleichen heilte. Dein Vater, Lucius, wurde ein besonderer Freund von mir. Als er Oberhaupt der Armee von Capra wurde, erlaubte er mir die Ausbildung zu einem Heiler der Brigade zu absolvieren. Das war sehr lehrreich für mich und erstmals lernte ich andere Heilmeds kennen. Ihr müsst wissen, so viele gibt es dann doch wieder nicht. Und mein ganzes Leben lang habe ich keinen von meinesgleichen kennen lernen können. Erst als ich zur Armee ging, waren dort andere Heilmeds, die ausgebildet wurden.“
Damon und Jenny waren sehr fasziniert von Heildies’ Ausführungen. Dadurch lernten sie die Welt der Winkelgalaxie besser kennen und nachvollziehen. Sie würden gerne mehr über eventuell andere Wesen und Geschöpfe erfahren, die es dort gab. Sie unterschieden sich ja schon sehr von den Tieren und Menschen auf der Erde.
Heildies genoss die Aufmerksamkeit. Vor allem liebte er es, sich mit den beiden Kids zu unterhalten. Schließlich musste er sich die letzten vierzehn Jahre in einem Mäuseloch verstecken und hatte quasi niemanden zum quatschen. Er war traurig über diese Einsamkeit, wusste aber stets, dass er es für einen guten Zweck tat.
Nach über zwei Stunden Unterhaltung merkte Heildies jedoch, dass er so lange reden nicht mehr gewohnt war. Sein Mund wurde ganz trocken und auch seine ganzen Gedanken gingen durcheinander. Deshalb bat er Damon und Jenny um eine kleine Pause. Er wollte eine Viertelstunde lang Luft schnappen und ein wenig um die Häuser fliegen. Dann würde er zurückkommen und sie würden sich weiter unterhalten. Natürlich verstanden ihn die beiden und das kleine Wesen flog kurzerhand aus dem Fenster ins Freie.

Heildies genoss die frische Luft und atmete tief ein. So sehr angestrengt hatte es sich lange nicht mehr. Eigentlich sollte so eine Unterhaltung gar nicht anstrengend sein, aber nach 14 Jahren Schweigen waren die Muskeln seines Mundes wohl nicht mehr so beansprucht worden wie an diesem Tage.
Nach einer Viertelstunde machte es sich auf den Weg zurück zu Damon und Jenny und flog in Richtung des Hauses. Doch da tauchte plötzlich noch etwas auf, das so glitzernd durch die Wolken flog wie Heildies selbst. Es kniff seine Augen zusammen, um zu erkennen, was da auf es zuflog, als es plötzlich einen alten Freund erkannte.
„Heildas! Du hier?“, rief es erfreut, einen alten Kameraden und Artgenossen zu sehen.
„Damit hättest du nicht gerechnet, nicht wahr?“, gab das fliederfarbene Geschöpf zurück.
„Da hast du Recht. Mit dir hätte ich nie und nimmer gerechnet. Wie ist es dir ergangen?“
„Wie soll es mir ergangen sein? Schlecht natürlich. Als du dich in Sicherheit gebracht hast und uns zurück gelassen hast, wurden wir alle versklavt. Wir alle mussten niedere Arbeiten für den Dunklen Welchen verrichten.“
„Das tut mir schrecklich leid“, versicherte Heildies erdenklich betroffen von der ganzen Sache.
„Pah, das ich nicht lache! Du warst ja entkommen. Nichts tut dir leid. Aber weißt du was? Auf den Dunklen Welchen kann man sich wenigstens verlassen. Der lässt einen nicht im Stich und ich muss nun zugeben, dass ich gerne für ihn arbeite.“
Heildies war schockiert von den Aussagen seines ehemaligen Freundes. Es konnte nicht glauben, was es da hörte, denn schließlich hatten beide ihre Ideale gehabt.
„Was willst du damit sagen, Heildas?“
„Du hast schon richtig verstanden. Ich gebiete dem Dunklen Welchen und wir sind hier, um diesem Jungen vom Planeten Capra und auch dir den Gar auszumachen. Insbesondere bin ich hier wegen dem zweiten Teil meiner Aussage.“ Mit diesen Worten flog Heildas flink auf seinen früheren Freund zu und rammte ihn mit dem Kopf gegen seine Brust.
Heildies wurde nach hinten geschleudert und verlor für kurze Zeit die Kontrolle über seine Flügel. Als es sich einigermaßen wieder gefangen hatte, sagte es:
„Was soll das, Heildas? Wir waren Freunde. Was ist passiert?“
„Freunde? Das hatte ich auch mal geglaubt. Doch wurdest du stets bevorzugt, weil du mit dem Kommandanten befreundet warst. Du hattest immer die besonderen Aufgaben bekommen und schließlich wurdest auch du ausgesucht, hierher fliehen zu können, während alle anderen zurückgelassen wurden. Egoistisch warst du“, schrie Heildas, „und dich hat es einen Dreck gekümmert, was mit uns anderen, deinen so genannten Freunden, passiert.“ Tränen vor Wut stiegen dem Heilmed in die Augen und erneut flog es auf Heildies zu, um ihn zu rammen. Doch es konnte seinem Angriff fürs erste ausweichen.
„Aber das war nicht meine Absicht“, entgegnete Heildies, „ich war schon lange vor unserer Ausbildung mit Lucius befreundet. Natürlich wählte er mich aus, weil ich sein größtes Vertrauen innen hatte.“
„Das war unfair und nicht gerecht. Das weißt du! Derjenige mit den besten Fähigkeiten hätte ausgewählt werden müssen und das war ich.“ Erneut rammte er seinen Kopf gegen die Brust von Heildies. Und dann schlug er auf es ein. Immer wieder und wieder. Heildies wollte nicht gegen seinen ehemaligen Freund kämpfen und versuchte lediglich sich vor den Schlägen zu schützen.
„Hör auf“, rief es, „wir können doch darüber reden.“
Aber Heildas wollte nicht reden und lieber seine Fäuste sprechen lassen. Erneut holte es zu einem Angriff aus und stieß so hart gegen Heildies, sodass es zu Boden stürzte. Viele Meter flog es auf die Erde zu und kam schließlich hart auf dem Boden auf. Und zwar mitten im Garten von Damons Haus. Jenny und Damon hörten den Aufschlag und rannten schnell in den Garten. Glücklicherweise waren Damons Eltern nicht zuhause, sodass sie das Spektakel nicht mitbekamen.
 Jenny war entsetzt, als sie das kleine Wesen auf dem Boden sah. Sie schrie los:
„Heildies, ist dir was passiert“
„Das wird schon wieder“, stöhnte es. „Meine Wunden werden schnell verheilen.“
Da sah Damon das andere Heilmed auf sie zufliegen.
„Da ist noch eines. Was ist hier los?“
Heildas sah Damon und begann zu drohen:
„Du musst Beelze sein, oder? Ich bin Heildas und werde Lektra und den anderen helfen, gegen dich zu kämpfen.“
Damon konnte das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und verwandelte sich schnell in Beelze. Er holte sein Feuerzeug aus der Hosentasche und formte mit dessen einen Feuerball, den er gegen Heildas richtete.
„Nein, Beelze“, sprach Heildies dazwischen. „Bitte tu ihm nichts an. Es war mal mein Freund!“
Heildas schaute Heildies an und erzürnte über dem Wort Freund, welches aus seinem Munde kam. Wutentbrannt schrie er einen Angriffsschrei aus und flog rasend auf Heildies zu, um ihn zum Schweigen zu bringen. Damon reagierte schnell und schleuderte seinen Feuerball auf Heildas. Dieser wurde getroffen und fiel wehklagend zu Boden.
Heildies richtete sich langsam auf und flog hinüber zum Heilmed. Bevor seine eigenen Verletzungen geheilt waren, nutzte es seine Kräfte, um seinen ehemaligen Freund zu heilen. Nach kurzen Augeblicken waren Heildas’ Brandwunden, die vom Feuerball herstammten, verschwunden. Misstrauisch schaute es Heildies an, das sprach:
„Es tut mir leid, was passiert ist, Heildas. Ich will viel lieber, dass wir Freunde sind und gemeinsam gegen den Dunklen Welchen und seine Untertanen kämpfen. Zusammen können wir es schaffen. Heildas lächelte und daraufhin hatte Heildies auch ein Lächeln auf dem Gesicht. Beelze und Jenny sahen dies und auch ihnen ging das Herz auf. Doch dann verfinsterte sich der Ausdruck in Heildas’ Gesicht wieder und es sagte:
„Das hättest du wohl gerne. Ich werde dir niemals vergeben. Wir sind schon lange keine Freunde mehr. Ich sehe dich eher als meinen Erzfeind an und nichts anderes. Du kannst froh sein, dass dein Leibwächter gerade hier ist. Ansonsten wäre es dein Ende gewesen.“ Es stieß Heildies zur Seite und flog so schnell es konnte davon. Beelze wollte noch einen Feuerball nach ihm richten, doch Heildies bat ihn, seinen früheren Kameraden ziehen zu lassen.

Kurze Zeit später waren die drei wieder zurück in Damons Zimmer. Beelze hatte sich mittlerweile auch wieder in einen Menschen zurückverwandelt und Heildies’ Wunden waren ebenfalls verheilt.
Aber der kleine Außerirdische war ziemlich niedergeschlagen von der ganzen Sache, die geschehen war. Jenny und Damon versuchten, es zu trösten, doch Heildies machte sich selbst Vorwürfe. Es wusste, dass es damals keine andere Wahl hatte. Es musste die Säuglinge retten und es war auch keine Zeit darüber nachzudenken, ob jemand anderes an seiner Stelle hätte gehen sollen. Lucius hatte das ganze ja spontan entschieden und nicht lange vorbereitet. Trotzdem überlegte Heildies hin und her, ob es im Nachhinein das richtige war. Denn Heildas hatte vielleicht damit Recht, dass es seine Freunde im Stich gelassen hatte. Während es in Sicherheit war und mit Lucius und den Babys von Capra floh, waren alle anderen dem Dunklen Welchen ausgeliefert. Natürlich schmerzte ihn der Gedanken schon damals, als es zusammen mit Lucius durch den Weltraum reiste. Aber mittlerweile waren 14 Jahre vergangen und Heildies hatte sich andere Gedanken zu machen. Es wäre wohl verrückt geworden, wenn es stets über die Hinterbliebenen auf Capra nachgedacht hätte. Eigentlich nahm es im Inneren an, dass die Bewohner des Planeten wohl nicht mehr leben würden. Aber jetzt, wo es seinen alten Freund wieder traf, nahm das Ganze ein anderes Gesicht an und Heildies wurde erneut zum Nachdenken angeregt. Nun dachte es sich, dass vielleicht einige der Bewohner immer noch lebten, um entweder für den Dunklen Welchen zu arbeiten oder eben andere Qualen erleiden zu müssen. Das bereitete dem kleinen, leuchtenden Geschöpf große Sorgen.
Damon und Jenny redeten auf Heildies ein, dass es von hier aus sowieso nichts ändern könnte und sie alle sich auf den Schutz der Erde konzentrieren sollten. Trübe Gedanken würden die Sache auch nicht besser machen und vor allem das Handeln negativ beeinflussen. Jetzt mussten sie alle ihre Kräfte zusammen nehmen. Und wenn sie es schaffen würden, Lektra, Ilusio und sogar den Dunklen Welchen von der Übernahme der Erde abzuhalten, könnten sie sich wieder auf andere Dinge konzentrieren.
„Außerdem“, warf Jenny ein, „wären auch alle anderen Planeten gerettet, wenn wir den Plan des Dunklen Welchen durchkreuzen.“ Und damit lag sie richtig.
Schließlich ließ sich Heildies doch überzeugen, erst mal die Gedanken der Vergangenheit auf sich beruhen zu lassen und an die Gegenwart zu denken. Ihre volle Aufmerksamkeit verlangte die derzeitige Situation und das war momentan das Wichtigste.

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