Dienstag, 4. März 2014

[Alien Fighter] Kapitel 4: Damons und Jennys Freundschaft


Lektra war ziemlich sauer darüber, dass sie es erneut nicht geschafft hat, Beelze zu besiegen. Auch Soll Datt hat wohl keinen Erfolg gehabt und sitzt ein wenig niedergeschlagen neben Lektra in deren Raumschiff, welches seine Bahnen unweit der Erde zog.
„Du hast das Artefakt wohl auch nicht gefunden?“, erkundigte sie sich bei ihm.
„Leider nicht“, antwortete er mit seiner metallenen Stimme, „aber ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, wo ich beginnen soll. Der Planet ist ja nicht sehr klein.“
„Vielleicht solltest du deinen Radius erst mal auf die Stadt beschränken, in der dieser Junge von Capra wohnt“, schlug Lektra ihrem Kollegen vor.
„Da magst du Recht haben. Danke dir für den Tipp.“
Eigentlich ist es nicht schlecht, dachte sich Lektra, wenn sie zusammen arbeiten und sich gegenseitig unterstützen würden, als einzeln oder sogar gegeneinander zu wirken.
„Und wie sieht es bei dir aus?“, fragte nun Soll Datt nach.
„Irgendwie schaffe ich es nicht, diesen Knirps fertig zu machen.“
„Du musst seinen Schwachpunkt finden.“
„Das ist eigentlich keine schlechte Idee“, stimmte Lektra zu, die sich sofort Gedanken machte, was wohl Beelzes schwächste Stelle sein könnte. Und da kam ihr plötzlich wieder das Mädchen Jenny in den Sinn.
 Währendessen saß Damon bei sich zuhause und versuchte noch immer Jenny telefonisch zu erreichen. In der Schule war sie auch den ganzen Tag nicht aufgetaucht und keiner wusste Bescheid, was mit ihr los war. Er wusste nicht, was er machen sollte. Seine beste Freundin meldete sich nicht, weil sie sich vielleicht vor Angst irgendwo versteckte.
„Jetzt gehe nun endlich persönlich zu ihr“, forderte ihn Heildies auf. „Das bringt doch nichts, wenn du jede fünf Minuten versuchst, ihre Nummer zu wählen und sie zudem noch mit SMS bombardierst.“
Damon wusste, dass sein kleiner neuer Freund Recht hatte, aber er hatte trotzdem Angst, sie persönlich zuhause aufzusuchen. Er wollte ihr nicht noch mehr Angst machen, als sie sowieso schon hatte. Aber er kam zu dem Entschluss, dass kein Weg daran vorbei führen würde. Er müsste einfach mit ihr sprechen, egal wie. Und so zog er sich an, um sich auf den Weg zu ihrem Haus zu machen.
„Soll ich dich begleiten?“
„Lieber nicht, Heildies. Am Ende erschreckst du sie auch noch. Sie muss erst mal mit dem Schock zurecht kommen, dass schon ich ein Alien bin.“

Eine Viertelstunde später stand Damon auch schon bei Jenny vor der Haustür, doch nur die Mutter öffnete. Sie erklärte ihm, dass Jenny nicht daheim wäre und spazieren gehen wollte:
„Ihr ging es heute nicht so gut. Deshalb war sie auch nicht in der Schule“, erklärte sie netterweise, „und jetzt wollte sie frische Luft schnappen. Das tut ja auch mal gut, wenn eine Grippe oder so im Anmarsch ist.“
Damon bedankte sich für die Auskunft und lief in Richtung Park. Einerseits glaubte er nicht, dass sie dort wieder hingegangen war. Schließlich wurde ihr dort höllische Angst eingejagt, als sie zwei Aliens vor ihr miteinander kämpfen sah. Normalerweise würde sich ein Mädchen bei so einem Anblick zuhause unterm Bett verstecken und hoffen, dass dieser Albtraum bald vorbei sei. Andererseits waren Damon und sie schon eine halbe Ewigkeit miteinander befreundet und vielleicht hatte sie eingesehen, dass sie keine Angst vor ihm haben müsste und war deshalb zum Ort des Geschehens zurückgekehrt. Einen Versuch war es wert und er wusste schließlich nicht, wo er sonst nach ihr suchen sollte.
Dahingegen wusste Lektra ganz genau, wo sich Jenny befand, denn sie hatte auf dem Raumschiff ein Ortungsgerät, womit sie jeden ausfindig machen konnte. Sie ließ sich dann von Soll Datt genau im Park herunterlassen, damit sie Jenny aufsuchen konnte. Ihr Plan war es, sie erst einmal unschädlich zu machen und sie entweder zu entführen und Beelze damit zu erpressen oder sie direkt vor seinen Augen zu quälen, damit er tat, was sie wollte.
Jenny saß gerade nachdenklich auf einer Parkbank bei einem Brunnen, als Lektra direkt vor ihr erschien. Sie erblickte die blonde Aliendame und schrie sofort los, sodass sich alle Menschen nach ihr umdrehten. Mittlerweile war in jeder Tageszeitung von dem gestrigen Vorfall berichtet worden und der Park war schon leerer als sonst, weil sich die Menschen schon kaum dahin wagten. Nur diejenigen, die die Zeitungsberichte für Ammenmärchen hielten, waren im Park aufzufinden. Aber diese mussten sich des Besseren belehren lassen und rannten so schnell wie möglich davon, als sie mitbekamen, dass dort eine seltsam aussehende Frau stand. Vor allem waren sie von Jennys Schrei alarmiert worden.
Und Jenny saß total verängstigt auf der Bank und bettelte:
„Bitte, bitte tun Sie mir nichts an!“
„Tja, wo ist jetzt dein Freund, um dich zu beschützen?“, lachte Lektra laut, sodass die Vögel von den Bäumen durch ihre schrille und hohe Stimme vertrieben wurden.
„Halt!“, erklang es dann hinter dem Brunnen und Beelze kam hervor. „Lass sie in Ruhe, Lektra!“
„Damon?“, fragte Jenny kleinlaut und hielt ihre Hände angstvoll vor ihrem Gesicht. Sie zitterte am ganzen Leib, was Beelze sofort erkannte.
„Habe keine Angst, Jenny“, versuchte er sie zu beruhigen, „ich bin hier um dich zu beschützen. Ich bin kein Monster. Ich bin dein Freund und du kannst mir vertrauen.“
Jenny war sehr verunsichert, aber nickte.
Da zog Beelze sein Feuerzeug wieder hervor.
„Ich muss dir wohl wieder Feuer unter dem Hintern machen, Lektra. Du lernst es wohl nie.“
„Pah!“, schrie die Alienfrau und rannte auf Jenny zu. Sie packte sie von hinten und nahm sie in den Schwitzkasten. Jenny schrie um Hilfe und Beelze war schockiert, konnte aber nicht so schnell reagieren.
„Lass sie in Frieden“, befahl er, doch Lektra lächelte nur und antwortete:
„Daran bist du selbst Schuld, Knirps. Du hättest dich mir nicht in den Weg stellen dürfen. Gib lieber auf oder ich werde deiner kleinen Freundin hier wehtun müssen.“
Jenny wimmerte und Beelze sah ihr die Verzweiflung an, wusste aber nicht, was er jetzt tun sollte.
„Was verlangst du von mir?“, erkundigte er sich.
„Ergib dich!“, gab sie ihm zur Antwort. „Wirf zunächst einmal das Feuerzeug weg und nimm dann deine Hände hinter den Kopf!“
Er gehorchte Lektra, weil er nicht wollte, dass sie Jenny etwas antat.
„Sehr gut, Knirps!“
„Dann lass sie jetzt frei!“
„Das hättest du wohl gerne.“ Lektra lachte laut los und drückt ihren Arm fester um Jenny Hals, sodass sie los schrie.
„Jenny! Nein!“ Beelze war entsetzt, als er mit ansehen musste, dass Jenny keine Luft mehr bekam. Ihr Kopf wurde rot und sie rang nach Luft. Beelze wollte ihr zu Hilfe kommen und rannte auf die beiden zu, doch Lektra reagierte schnell und warf eine ihrer kleinen Bomben nach Beelze, die genau vor ihm explodierte und ihn nach hinten schleuderte. Lektra lachte wieder laut los:
„Du hast nicht die geringste Chance mehr gegen mich, Junge von Capra. Jetzt bist du fällig!“
Beelze lag am Boden und sah zu, wie Jenny langsam das Bewusstsein verlor. Er richtete sich langsam wieder auf, aber seine Schulter schmerzte. Als Jenny ohnmächtig wurde, ließ Lektra sie fallen und ging auf Beelze zu. In der Hand hielt sie wieder einer ihrer Bomben. Sie war schwarz und rund, aber ihr besonderes Merkmal war, dass sie etwas größer war als ihre anderen Bomben.
„Was hast du vor?“, fragte Beelze sie wütend.
„Mit dieser hier werde ich es endlich zu Ende bringen“, entgegnete sie. „Dein Ende ist gekommen, Knirps.“
Doch da fiel ein Feuerzeug vom Himmel und Beelze direkt vor die Füße. Lektra sah nach oben und schaute direkt in die Augen von Heildies, das über Beelze in den Lüften flog und der Alienfrau zuzwinkere.
„Was?“, schrie sie entsetzt. „Ein Heilmed? Hier auf der Erde?“
Beelze hob das Feuerzeug schnell auf, entzündete es, formte einen Feuerball und warf ihn schnell auf Lektra. Diese reagierte und warf ihre Bombe nach dem Jungen, doch es war zu spät. Der Feuerball traf die Bombe direkt vor ihr. Es gab einen lauten Knall und Lektra wurde meterweit in die Luft geschleudert. Sie landete direkt in einem Baum.
Heildies flog schnell zur bewusstlosen Jenny und setzte seine Heilkräfte ein. Langsam erwachte sie aus der Ohnmacht. Beelze rannte auch auf sie zu und redete sie an:
„Jenny, geht es dir gut?“
Sie blickte in seine Augen und wirkte noch ein wenig verwirrt, aber sprach:
„Es geht schon.“ Sie versuchte zu lächeln und Beelze sah das als Zeichen, dass sie nun keine Angst mehr vor ihm hatte. Er nahm sie bei der Hand und zog sie weg von dem Schauplatz. Sie rannten in Richtung Ausgang und Heildies flog ihnen dicht gefolgt hinterher. Zurück ließen sie Lektra, die von Schmerzen geplagt im Baum festhing.

In einer Seitenstraße einige Wohnblöcke entfernt vom Park blieben die beiden Jugendlichen endlich stehen. Heildies setzte nun seine Heilkraft auch für Beelze ein, dessen Schulter nach wenigen Augenblicken wieder in Ordnung war. Jenny beobachtete die beiden ziemlich neugierig und sehr zurückhaltend. Beelze sah ihre Fragezeichen in den Augen. Schließlich sagte er:
„Das ist Heildies. Es ist ein außerirdisches Wesen mit Heilkräften. Man nennt diese Wesen auch Heilmeds.“
Jenny lächelte, aber sie war immer noch ziemlich verwundert. Sie machte einen Schritt auf Beelze zu und griff zaghaft nach seinen Hörnern. Vorsichtig berührte sie seinen Kopf, als könnte sie wie bei einer heißen Herdplatte verbrannt werden.
„Und du bist auch ein Alien?“, fragte sie ihn und versuchte dabei es wie eine nebensächliche Bemerkung klingen zu lassen.
„Ja, ich bin auch eines. Aber ich weiß es auch erst seit kurzem. Vorher dachte ich, ich sei ein Mensch genau wie du.“ Und dann begann er, ihr alles zu erklären. Er versuchte keine Einzelheit auszulassen und erzählte ihr von Lucius, der Winkelgalaxie und was ihm bisher mit Lektra widerfahren war. Er wollte sie komplett ins Bild setzen und gab jedes noch so kleinste Detail wieder. Ihm tat es gut, endlich mit einem Menschen über die ganze Sache zu sprechen. Bisher musste er es ja vor jedem verheimlichen. Er merkte, wie erleichternd das für ihn war.
Und auch Jenny nahm die ganze Sache ziemlich gut hin. Sie war zunächst sehr skeptisch, aber sie fasste neues Vertrauen. Schließlich hatte sie mit eigenen Augen gesehen, was vor sich ging. Und außerdem war sie schon lange mit Damon befreundet gewesen und dieses Vertrauen konnte durch eine solche Angelegenheit nicht völlig zerstört werden. Sie versuchte sich der außergewöhnlichen Sache zu öffnen. Sie wollte alles verstehen. Und nach und nach gelang ihr das auch. Ihre Angst war zwar immer noch nicht vollständig weg, aber sie fasste ein wenig Mut und dachte sich, dass in der Zukunft wieder alles gut werden würde, auch wenn ihr Freund Damon nun auch ein Außerirdischer vom Planeten Capra war.
Die beiden redeten noch den ganzen Abend und tauschten ihre Gedanken aus. Bei Fragen stand ihnen das kleine Wesen namens Heildies zur Seite. Jenny versprach ihrem Freund, dass sie nicht mehr davonlaufen und ihm in der Zukunft zur Seite stehen würde. Sie hatte außerdem den Vorsatz getroffen, ihn im Kampf gegen Lektra, Ilusio oder sogar dem Dunklen Welchen zu unterstützen - so gut wie sie eben konnte, auch wenn sie nur ein ganz gewöhnlicher Mensch war und keine so übernatürlichen Kräfte besaß wie Beelze.
Endlich war Damon wieder froh und als er abends in sein Bett fiel, war er erleichtert. Ab jetzt würde er den Kampf nicht mehr alleine antreten müssen. Er hatte jetzt Unterstützung, auf die er bauen konnte. Vor allem hatte er jetzt jemanden zum Reden und das war ihm in der Situation am wichtigsten. Seine Befürchtungen, Ängste und Unsicherheiten musste er nicht mehr alleine mit sich herumtragen. Zwar war Heildies mittlerweile zu einem unentbehrlichen Gefährten geworden, aber die Unterstützung eines wahren Freundes war viel wertvoller. Zudem wusste er, dass seine Freundin ein kluges Köpfchen hatte und ihm wahrscheinlich in schwierigen Angelegenheiten aus der Patsche helfen könnte. Wenn es um die Lösungen von kniffligen Problemen ging, könnte Jenny zu seinem Ass im Ärmel werden. Und vielleicht hatte sie auch eine Idee, wie man die anderen vier Alienkinder finden könnte.
Mit wohligen Gedanken schlief er endlich ein. Seine Nacht verlief ruhig und traumlos. Endlich konnte er sich mal so richtig ausruhen, ohne sich weitere Sorgen zu machen. Das war auch bitter nötig, denn die folgenden Zeiten sollten nicht leichter werden.

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