Dienstag, 18. März 2014

[Alien Fighter] Kapitel 6: Falsche Vermutungen


In der großen Pause kamen ein paar Klassenkameraden auf Damon zu und beglückwünschten ihn. Er war sehr verwundert, weil er nicht wusste, warum sie ihm gratulierten. Da erklärte ihm einer, dass sie es toll fanden, dass er jetzt endlich mit Jenny zusammen sei. Man habe ja schon lange gesehen, dass da etwas zwischen den beiden lief. Damon wurde knallrot bei dieser Aussage und konnte gar nichts mehr erwidern.
Jenny hatte natürlich auch schon davon gehört, was die anderen vermuteten und sprach ihren besten Freund darauf an:
„Kannst du es fassen? Die denken, wir seien zusammen. Wie kommen sie bloß darauf?“
„Das weiß ich auch nicht“, antwortete er ihr.
„Ich werde schon herausfinden, wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat.“
Jenny machte ringsum kehrt und ließ Damon einfach im Schulkorridor stehen.

Währendessen war Lektra im Raumschiff von Ilusiu dabei, einen neuen Plan auszuhecken, wie sie Beelze unschädlich machen könnte. Aber ihr fiel einfach nichts ein. Da trat Soll Datt herein und legte ihr eine rote Kugel auf den Tisch.
„Was ist das?“, wollte sie wissen.
„Das ist eine neue Bombe für dich, Lektra. Aber diese ist besser, als alle anderen, die du davor hattest. Derjenige, der von dieser Bombe getroffen wird, steht nicht mehr so einfach auf.“
„Oh danke, Soll Datt“, rief sie erfreut aus. „Du bist der beste. Hiermit werde ich es diesem Knirps endgültig zeigen.“
„Sei aber vorsichtig. Du solltest einen guten Abstand zur Detonation haben oder du wirst dich selbst verletzen. Zudem ist es die einzige von diesem Kaliber. Leider haben wir keine weiteren Materialien, um eine weitere nachzubauen.“
Lektra versprach ihrem Kollegen, dass sie vorsichtig sein würde. Die vielleicht letzte Chance, den Jungen von Capra zu besiegen, wollte sie sich nicht entgehen lassen. Sie war davon überzeugt, dass es diesmal klappen würde.

In der Schule hatte Jenny mittlerweile herausgefunden, woher das Gerücht stammt. Es stand groß in der Schülerzeitung. Den Artikel hatte ihre chinesische Mitschülerin Mei Lee geschrieben. Jenny war ziemlich entsetzt darüber und verlangte von Damon, dass er die Schülerreporterin zur Rede stellen sollte, damit sie das Gerücht in der nächsten Ausgabe zurück nähme.
„Ich verlange eine Gegendarstellung, sag ihr das!“
„Na gut“, versicherte er ihr, „ich werde sie sogleich aufsuchen und mit ihr sprechen.“
„Du wirst sie wahrscheinlich im Büro der Schülerzeitung finden, wo sie neue Zeitungsenten verfasst.
Jenny konnte sehr sarkastisch werden, wenn jemand ihr Unrecht tat. Man sollte sie niemals wütend machen, das musste Damon schon sehr früh von ihr lernen. Denn wenn sie einmal sauer war, war nicht gut Kirschen essen mit ihr.
Doch im Büro der Schülerzeitung war Mei nicht aufzufinden. Dort sagte man ihr, dass sie noch ein paar Fotos vom Schulgarten machen wollte, denn darüber sollte ein Artikel in der nächsten Schülerzeitung erscheinen. Daher marschierte Damon schnurstracks zum Schulgarten, wo er das Mädchen mit einer kleinen Digitalkamera Fotos schießen sah.
Mei hatte schwarze Haare, die zu einer stylishen Mangafrisur seitlich rechts und links abstanden. Ihr Blick war auch sehr cool und konzentriert. Sie trug eine eng anliegende, hellbraune Stoffhose, ein hellgelbes T-Shirt, über das sie lässig eine khakifarbene Weste trug. Dazu trug sie schwarze Stiefel, sodass ihre Füße von der feuchten Gartenerde nicht dreckig wurden.
Damon ging frohen Mutes auf sie zu und begrüßte sie höflich. Mei gab die Begrüßung zurück:
„Hallo Damon. Wie geht es dir so?“
„Na ja, Jenny schickt mich.“
„Ach, deine Freundin…“
„Das ist der Punkt, Mei. Sie ist nicht meine Freundin. Wir sind nur gute Freunde. Das solltest du richtig stellen.“
„Was ist denn dabei? Findest du den Gedanken so schlimm, mit ihr zusammen zu sein?“
Diese Frage kam für Damon unerwartet und ließ in puterrot anlaufen.
„Nun ja, Jenny findet das halt nicht so gut.“
„Du armer Kerl. Dann hast du wohl eine Abfuhr von ihr bekommen“, sagte sie neckend.
Damon war die ganze Situation sehr unangenehm und er wusste auch nicht, was er der schlagfertigen Mei entgegnen sollte. Sie war ihm in Sachen Redekunst auf jeden Fall überlegen.
„In Ordnung. Mach dir keine Sorgen. Ich schreibe in der nächsten Ausgabe eine Gegendarstellung.“
Plötzlich gab es einen lauten Knall direkt neben den beiden und sämtliche Blumen wurden aus der Erde gerissen. Damon und Mei stürzten zu Boden. Da erklang Lektras schrille Stimme:
„Das war nur ein Vorgeschmack. Ich habe noch was Besseres in Petto.“
Mei erschrak, als sie die seltsame Alienfrau erblickte. Damon sprang sofort wieder auf und richtete sich in Kampfposition auf. Doch da fiel ihm ein, dass er ja nicht so einfach vor den Augen von Mei gegen Lektra kämpfen konnte. Er musste Lektra also weglocken. Ohne lange zu fackeln rannte er fort. Er sprang schnell über den relativ niedrigen Gartenzaun, welches das Schulgelände vom Schulgarten trennte und rannte vom Hof. Lektra sputete sofort hinter ihm her und rief:
„Du entkommst mir nicht, Knirps!“
Mei war ziemlich irritiert und wusste nicht, was gerade geschehen war. Aber ihr Reporterherz schlug höher und sie roch eine heiße Story für die Schülerzeitung. Und deshalb folgte sie den beiden, ihre Digitalkamera fest in den Händen tragend.

Damon rannte schnell in eine kleine Seitenstraße, in der keine Menschenseele sich herumtrieb. Hier konnte er ungestört gegen Lektra antreten. Da erschien sofort auch Lektra hinter ihm. Damon fackelte nicht lange und sagte seinen Spruch auf:
„Capra, Alien Form“, und damit verwandelte er sich in Beelze.
„Heute wirst du nicht so einfach davonkommen“, lachte Lektra los und hielt dabei ihre rote Bombe in der Hand.
„Was hast du da?“, wollte Beelze wissen.
„Du meinst das hier?“, sagte sie und hielt ihre mächtige Waffe in die Luft. „Diese Bombe ist stärker als alles andere, was ich bisher nach dir geworfen habe. Danach wirst du nicht mehr aufstehen.“
Obwohl Mei die Spur der beiden verloren hatte und um den Häuserblock irrte, hörte sie Lektras und Beelzes Stimme. Sie spitzte ihre Ohren und bekam deutlich mit, worüber die beiden sprachen. Auf der einen Seite war sie schockiert über das, was sie mitbekam. Auf der anderen Seite war sie aber zu neugierig und wollte mehr erfahren. Sie folgte ihrem Gehör und suchte nach den beiden. Schließlich linste sie um die Ecke einer kleinen Seitestraße und sah Lektra und Beelze sich gegenüberstehend. Sofort riss sie ihren Mund vor Schrecken auf. Sie hatte ganz deutlich Damons Stimme gehört, aber anstelle ihres Klassenkameraden stand da ein roter Typ mit Hörnern auf den Kopf. Sie fragte sich, ob das Damon sei oder sie nun Gespenster sehe.
„Selbst wenn du mich damit unschädlich machen würdest“, rief Beelze, „gäbe es noch vier weitere Alienkinder, die dich aufhalten würden.“
„Ach ja?“, gab sie zurück. „Wo sind diese denn? Bisher haben sie sich noch nicht blicken lassen. Wahrscheinlich weißt du ja selber nicht einmal, wo sie sind.“ Lektra lachte hämisch.
Meis Gedanken flogen durcheinander. Sprachen sie wirklich gerade von Aliens? Von Außerirdischen von fernen Welten? Sollte dies möglich sein? Sie war völlig von den Socken, als sie dies hörte. Aber sie wusste auch durch eigene Erfahrung, dass Unmögliches möglich war. Schließlich hatte sie ein überdurchschnittliches Gehör, womit sie Geräusche wahrnahm, die ein normales Ohr gar nicht mehr hören würde. Sogar Spezialisten hatten sie schon untersucht und das nicht für möglich gehalten. Doch da kam ihr ein Gedanke. Vielleicht war sie eines der vier anderen Alienkinder, von denen die beiden gerade gesprochen hatten. Vielleicht hatte sie daher ihren außergewöhnlichen Hörsinn.
Dieser Gedanke fiel ihr wie Schuppen von den Augen. Allerdings erschreckte er sie auch. Sie drehte sich um und lehnte sich an die Wand, natürlich so, dass die beiden Aliens sie nicht sehen konnten. Sie schaltete ihre Kamera ein und knipste gedankenverloren ein Foto von sich selbst. Dann schaute sie auf das Display und für den Bruchteil einer Sekunde sah sie sich selbst mit gelber Haut und großen Katzenohren auf dem Bildschirm. Sofort kniff sie die Augen zusammen und erkannte sich wieder selbst. Doch damit war es für sie nicht vorbei. Sie fing an, an ihren Verstand zu zweifeln.
Und da ertönte ein lauter Knall und Mei blickte um die Ecke. Die beiden Außerirdischen lagen beide auf dem Boden. Die Frau rappelte sich langsam wieder auf, aber der Junge lag bewegungslos da.
„Du mieser Knirps. Die Bombe hätte nur dich treffen sollen. Da hattest du wieder Glück, dass du sie noch von dir abwenden konntest. Sonst wären deine Glieder hier auf der ganzen Straße verstreut. Aber vielleicht reichte das auch schon aus.“
Sie schleppte sich zu Beelze und drehte ihn mit ihrem Fuß auf den Rücken. Der Alienjunge bewegte sich immer noch nicht.
„Ja, das hat wohl ausgereicht“, stellte Lektra fest und ging langsam davon.
Als sie um die nächste Ecke verschwunden war, rannte Mei schnell zu Beelze. Sie sah ihn an und war geschockt. Das Wesen war übersät mit Schürfwunden und Verbrennungen. Sie hörte aber noch, dass sein Atem ganz leise ging. Sie beugte sich über den Jungen und nahm seinen Kopf zwischen ihre Hände.
„Hörst du mich? Bist du es, Damon?“
Beelze öffnete angestrengt seine Augen einen Schlitz weit und stöhnte:
„Mei“, aber dann wurde er auch schon wieder bewusstlos.
Mei erschrak und wusste nicht, was sie tun sollte. Sie schaute hektisch umher, um herauszufinden, ob jemand da war, der ihr helfen konnte. Und da erschien ein kleines funkelndes Etwas, was auf sie zuflog. Als es näher kam, erkannte sie das kleine, seltsame Wesen. Sie trat einen Schritt zurück und schaute zu, wie das kleine Wesen über Beelzes Gesicht flog und stärker anfing zu leuchten. Sie beobachtete, wie Beelzes Wunden verheilten. Da sprach das kleine Wesen:
„Es war noch nicht zu spät. Er lebt noch.“
Und Mei war auch irgendwie erleichtert.

Nach einigen Minuten war Beelze erwacht und er entschuldigte sich bei Mei. Erst versuchte er seine wahre Identität zu vertuschen, aber Mei erklärte ihm, dass sie wüsste, dass er Damon wäre. Daraufhin unternahm er keine Vertuschungsversuche mehr und verwandelte sich in den Menschen Damon.
„Das ist ziemlich krass“, sagte Mei, „dass du ein Alien bist.“
„Wie kommst du darauf, dass ich ein Außerirdischer sein könnte?“
„Ich habe eure ganze Unterredung mitbekommen, Damon. Du musst wissen, ich habe ein außerordentlich gutes Gehör und selbst wenn ich nicht in Sichtweite war, so war ich doch in Hörweite, jedenfalls was meine Ohren betrifft.“
Damon nahm ihr das Versprechen ab, niemanden etwas von dieser Sache zu verraten und es vor allem nicht in die Schülerzeitung zu schreiben. Sie gab ihm ihr Wort:
„Mich würden sowieso alle für verrückt erklären.“
„Du nimmst das alles aber sehr locker“, wunderte sich Damon. „Jenny weiß es seit kurzem auch und sie war zunächst sehr ängstlich.“
„Der Unterschied zwischen Jenny und mir ist, dass ich denke, ich könnte vielleicht auch ein Alien sein.“
„Wie bitte?“ Damon reagierte ziemlich überrascht bei der Aussage und schaute Heildies fragend an, der sodann antwortete:
„Nun ja, auf dem Planeten Akuo hatten die Bewohner ein überaus gutes Gehör. Vielleicht bist du wirklich eines der vier Alienkinder, die wir suchen.“
„Das wäre doch der Wahnsinn“, jubelte Damon. „Aber wie finden wir das heraus?“
„Mei, du musst dich konzentrieren. Denke angestrengt darüber nach, ein Alien zu sein und spreche dann die Worte: Akuo, Alien Form.“
Mei stellte sich in Position, schloss ihre Augen und konzentrierte sich. Sie dachte an die Person, die sie vorhin noch auf dem Foto ihrer Digitalkamera sah, als sie sich selbst fotografierte. Dann rief sie:
„Akuo, Alien Form!“ und mit diesen Worten veränderte sich ihre Hautfarbe. Ihre blasse Haut nahm ein starkes Gelb an. Ihre Haare veränderten auch ihre Farbe und das Pechschwarz nahm ein leuchtendes Orange an. Zudem wuchsen plötzlich ihre Ohren und nahmen die Form von überdimensionalen Katzenohren an, die aus ihren Haaren ragten. Sie fühlte wohl ihre Veränderung und sah mit aufgerissenen Augen ihre Hände an und befühlte sodann ihre Ohren. Dann schaute sie Damon an, der ein strahlendes Lächeln auf den Lippen hatte, weil er sich so sehr darüber freute, ein anderes Alienkid gefunden zu haben.
„Es fühlt sich nicht falsch an“, äußerte sie wage und als sie sah, dass auch Heildies lächelte, konnte sie sich selbst ein Grinsen nicht verkneifen. Damon jubelte los und umarmte Mei. Zusammen machten sie Freudensprünge.
Als die erste Euphorie vorüber war, erklärte Heildies den beiden:
„Du stammst tatsächlich vom Planeten Akuo ab. Dann musst du Audia sein. Deine Eltern baten Lucius, dich doch bitte auch in Sicherheit zu bringen.“
„Wow“, rief Mei oder besser gesagt Audia aus, „ich wusste, dass meine Eltern nicht meine richtigen Eltern sein können. Wahrscheinlich verstehen wir uns deshalb nicht so gut.“
„Akuo ist ein Wüstenplanet“, sprach Heildies weiter. „Dort ist es sehr warm und die Bewohner mussten sich dem Klima anpassen. Sie haben gelbe Haut, wie du schon festgestellt hast und ein überentwickeltes Gehör, womit sie noch sehr, sehr leise oder weit entfernte Geräusche wahrnehmen können. Das Beste daran ist, dass sie auch ein selektierendes Gehör besitzen. Das heißt, dass du auswählen kannst, was du gerne hören möchtest und alles andere quasi ausblenden kannst.“
„Das habe ich schon festgestellt, Heildies. Diese Fähigkeit kam mir schon oft zugute. Oder warum glaubst du, Damon, dachte ich mir, dass Jenny und du ein Paar seid? Ich habe euch schon oft miteinander reden gehört und bei eurer Vertrautheit nahm ich an, ihr seid zusammen.“
„Du hast uns belauscht?“, wollte Damon mit einem gespielten Entsetzen wissen. „Du bist aber ein böses Mädchen!“ Und da lachte er laut los.
Audia und Heildies stimmten mit ein und alle drei lachten noch einige Minuten weiter. Diesen glücklichen Augenblick konnte ihnen niemand zerstören.

Am Abend dachte Damon noch einmal über die ganze Sache nach. Er war nun froh darüber, nicht mehr alleine gegen die Außerirdischen antreten zu müssen. Er war glücklich darüber, endlich eine Kameradin an seiner Seite zu haben. Nun fehlten nur noch drei Alienkinder, die sie finden mussten. Dann wären sie alle vereint und hätten eine noch größre Chance, gegen Lektra, Ilusio und allen anderen fiesen Aliens bestehen zu können. Aber Damon war jetzt guter Hoffnung, dass auch schon bald die anderen zu ihnen stoßen würden. Da hatte er nun ein gutes Gefühl.
Er rief auch Jenny noch an, um ihr die frohe Kunde mitzuteilen. Sie war zunächst sehr erstaunt, aber dann freute sie sich mit Damon. Sie wusste, dass er jede Unterstützung gebrauchen konnte und darüber hinaus war ihr klar, dass sie diese Stütze nicht ständig sein konnte, da sie ja kein Alien war. Daher war sie doppelt erfreut und erleichtert über Meis Eintritt in die Truppe. Jetzt konnte es nur noch bergauf gehen.

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