Mittwoch, 28. März 2012

Autorenfragerunde: Rechtschreibfehler in Büchern

Jeder kennt das bestimmt: Man liest ein Buch und findet irgendwo einen Rechtschreibfehler. Manchmal fehlt ein Buchstabe oder ein Komma und ab und zu sind es noch gröbere Dinge. Mich als Leser stört das schon ein wenig, aber wie muss sich dann die Autorin oder der Autor selbst fühlen? Wie reagieren Schriftsteller, wenn sie so etwas sehen, obwohl der Text von mindestens zwei Personen mehrfach gelesen wurde? Für mich wäre es wahrscheinlich eine Horrorvorstellung. Aber was denken Autorinnen und Autoren wirklich? Ein paar habe ich diesbezüglich befragt und nun könnt ihr die Antworten hier nachlesen:

Andrea Koßmann (u.a. "Männertaxi"):
"Shit happens! In der nächsten Auflage ist der Fehler verschwunden. Und an alle die, die mich auf den Fehler aufmerksam machen werden: Danke für's gründliche Lesen!"

 
Gerd Ruebenstrunk (u.a. "Arthur und die vergessenen Bücher"):
"Das ist mir bislang bei jedem meiner Bücher passiert. Ich erhalte das erste Belegexemplar frisch aus der Druckerpresse, schlage es irgendwo auf - und garantiert springt mir ein Rechtschreibfehler ins Auge. Beim ersten Mal tat das noch richtig weh und ich habe mich verflucht, weil ich das nicht gemerkt habe. Inzwischen bin ich pragmatisch geworden und weiß, das kommt in den besten Romanen vor. Ich mache Meldung beim Verlag, und in der nächsten Auflage sind die Fehler weg. Dafür finde ich dann manchmal wieder neue ... ;-)))"


Ursula Poznanski (u.a. "Erebos"):
"Da brauche ich nicht viel Phantasie, das passiert immer wieder, bei fast jedem Autor. Wobei es meist nicht Rechtschreibfehler sind, sondern noch ärgerlichere Dinge wie Anschlussfehler. Dass ich zum Beispiel auf Seite 34 eine meiner Figuren die Armbanduhr abnehmen lasse, auf Seite 36 wirft sie aber einen Blick darauf.
Natürlich möchte ich da im ersten Moment in die Tischkante beißen, denn wenn das Buch erschienen ist, habe ich es ja im Vorfeld mindestens viermal gelesen und der Fehler hätte mir auffallen können. Aber gedruckt ist gedruckt - da hilft es nur, sich den Fehler zu notieren, auf eine zweite Auflage hoffen und ihn dann vor dem Druck korrigieren, das gilt dann auch für Rechtschreibfehler, falls vorhanden.
"

Gabriella Engelmann (u.a. "Küss den Wolf"):
"Da ist er nun, der Moment auf den man als Autor so lange gewartet hat: Das erste Exemplar des eigenen Buches liegt vor einem. Das Gefühl dazu: Eine Mischung aus Vorfreude und - Angst.
Angst?!
Angst vor dem, was zu diesem Zeitpunkt nahezu unabänderlich ist (Es sei denn das Buch stürmt die Bestsellerliste und es gibt eine Chance auf Nachdruck): Angst vor dem bösen, bösen Wort mit sechs Buchstaben: FEHLER. Jeder in der Buchbranche kennt das Phänomen: Mindestens acht Augenpaare haben draufgeguckt und mit Kennermiene alles abgescannt, was es zu scannen gibt. Und doch steht er da, der FEHLER. Keiner hat ihn gesehen, und keiner will´s gewesen sein
Ich selbst habe mittlerweile gelernt mit diesem Phänomen gelassener umzugehen, denn es ist ja so: Ich selbst bin dafür verantwortlich, und kein anderer. Und da ich es ja nun nicht mehr ändern kann, summe ich den Song "Blame it on yourself", und wende mich meinem neuen Text zu.
Um ihn dann wieder mit etwas zu versehen, das zum Buch gehört wie der Autor selbst. Der FEHLER. Der Beweis dafür, dass wir alle Menschen sind, und menschliche Dinge tun. Und dass das Fehlermachen zum menschlichen Wesen gehört.
Und das Verdrängen zuweilen auch."

Sebastian Fitzek (u.a. "Der Augenjäger"):
"Ich denke das, was ich immer denke: Verdammt, schon wieder;)
Tatsächlich entdeckte ich fast in jedem Buch (nicht nur in meinen) einen Fehler. Das passiert, selbst wenn tausend Augen drüber schauen. Auch hier gilt: Fehler sind menschlich - und mit der zweiten Auflage hoffentlich verschwunden. Wobei ich mich über einige sogar gefreut habe, wie über den "Schweinwerfer" in Splitter."

Arno Strobel (u.a. "Das Skript"):
"Das ist ärgerlich, aber nicht tragisch. Ich schreibe eine Mail an das Verlagslektorat, damit der Fehler für die nächste Auflage korrigiert werden kann."

Wie man sieht, gehen alle Autorinnen und Autoren ähnlich mit dem Problem von Fehlern um. Sie finden es zwar ärgerlich, aber da es menschlich ist, kann man darüber hinweg sehen. Trotzdem wünsche ich an dieser Stelle allen eine fehlerfreie Arbeit an ihren Werken und vielen Dank für die Antworten!

Kommentare:

  1. Mir fällt es besonders bei den Kindle-Ausgaben auf. Da sind ja oft Horrorfehler drin....Aber sehr interessant,dass die Autoren das so locker sehen. Ich würde mich sicher schwarz ärgern ,wenn extra 2 Leute Korrektur gelesen hätten. :-) L.G. Annette

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  2. Bei Kindle kenne ich mich nicht aus. Puh... Ja, mir würde es wahrscheinlich wie dir gehen! :-) Danke dir!

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  3. Ich hatte vor einiger Zeit solch ein Buch und hab dann den Verlag angeschrieben, weil es locker über 100 Fehler hatte und das im Piper-Verlag. Das hat mich schon sehr entsetzt. Als Wiedergutmachung durfte ich mir dann ein Buch aussuchen.
    Aber toll, dass die Autoren dazu auch geantwortet haben.
    LG Petra

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  4. Super interessant! Danke!
    LG Claudia

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  5. Ich entdecke wirklich des öfteren mal Fehler. Einerseits finde ich das in Anbetracht dessen, dass es ja wirklich einige Male Korrektur gelesen wurde zwar schon merkwürdig, andererseits macht es Buch sowie Autor schon fast wieder sympathisch, weil man daran sieht dass es halt eben auch nur Menschen sind :D

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  6. @Petra: Wow! Das ist schon heftig! Da fragt man sich, wer der Lektor war! :-D
    @Regina: Das denke ich auch! Und ich kann verstehen, wenn trotzdem Fehler bleiben. Irgendwann wird man Fehlerblind. Ich hatte das schon bei Hausarbeiten für die Uni und da haben auch öfter mal Freunde drüber gelesen... :-)

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  7. Liebe alle, die sich fragen, wo war denn der LEKTOR? Was ich in meinem Beitrag vergessen hatte: In den Verlagen herrscht extremer Personalmangel und damit lastet auf den festen, aber auch den freien Mitarbeitern (die in der Regel nicht besonders üppig bezahlt werden und deshalb viel zu viele Jobs annehmen müssen) ein enormer Druck. Daher ist es nur menschlich, dass soetwas passiert. Wäre für alle Beteiligten besser, wenn es der Buchbranche wieder gut ginge.
    Liebe Grüße an alle, die commented haben und auch an Pero für die tolle Idee! Gabriella

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  8. Wenn ich einen oder zwei Fehler in Büchern aus großen Verlagen finde, freue ich mich immer diebisch ^^ Die machen auch nicht alles perfekt, denke ich dann. Aber vorwerfen würde ich das einem Verlag/Autor nicht, es sei denn, es stört erheblich den Lesefluss.
    Bei kleineren Verlagen tut es mir immer leid, wenn da Fehler drin sind. Das sieht so lieblos aus. Dabei ist doch jeder einzelne Autor das Kapital, mit dem die Verlage arbeiten!

    Super Idee, die Autoren dazu zu fragen :)

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  9. Finde ich auch sehr interessant mal zu lesen, wie "die andere Seite", die Autoren, das sehen. Mich stören Rechtschfreibfehler in Büchern eher selten. Wenn ich über einen stolper, dann wird das meist mit einem Schulterzucken oder Schmunzeln (wie beim "Schweinwerfer") abgetan. Nur sehr selten ärgere ich mich wirklich mal darüber - und zwar dann, wenn man das Gefühl hat, dass das Buch unlektoriert in den Druck gegangen ist. Das ist mir z.B. ganz extrem bei der BILD-Ausgabe von "Das Schweigen der Lämmer" aufgefallen. Da war die Zeichensetzung so daneben, dass ich teilweise einen Satz mehrere male lesen musste, um ihn zu verstehen. Hinzu kamen so extreme Rechtschreibfehler, dass man auch dort manchmal Sätze nicht auf anhieb verstanden hat! (Muss man sich mal vorstellen...!) Da darf man sich auch ärgern dafür Geld ausgegeben zu haben.
    Aber zum Glück kommt das wirklich nur sehr, sehr selten vor. Und hier und da mal ein Tippfehler macht gar nichts :)

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  10. Vielen Dank an alle für die Kommentare! Ich freue mich sehr, dass dieser Beitrag hier sehr interessant für meine Besucher zu sein scheint. :-) Und danke auch an Gabriella Engelmann für den Blick hinter den Kulissen. Ich wusste gar nicht, dass so ein Personalmangel herrscht und über Gehälter wusste ich auch nicht Bescheid. Danke hierfür! :-)

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  11. Ein sehr interessanter Bericht!
    Danke dafür!!!

    Lg Lena

    PS. Ich freue mich auch immer diebisch wenn ich einen Fehler entdecke ;-)

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  12. Aber es gibt Bücher, in denen derartige ''Fehler'' gewollter Teil des Buches sind:

    https://ichliebemeinentumor.wordpress.com/2015/06/11/rechtschreibfehler-und-grammatikalische-makel/

    Sozusagen als Mutation ...

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